Ob Sie nun Produktmanager sind oder im UX-Design-Team arbeiten – Sie wissen, dass alle Produktprofis gerne Begriffe wie „intuitiv“ und „benutzerfreundlich“ verwenden, aber wir sind uns oft nicht sicher, ob wir diese Ideale wirklich erreichen. Woher wissen Sie, ob Ihr Produkt tatsächlich die einfachste und reibungsloseste Erfahrung für Ihre Nutzer bietet?
Eine Möglichkeit, um herauszufinden, ob Sie auf dem richtigen Weg sind, ist das Durchführen von Usability-Tests. Dies ist ein Sammelbegriff für verschiedene Methoden der UX-Forschung, bei denen reale Nutzer Ihre Produkte ausprobieren, damit Sie Verbesserungsmöglichkeiten erkennen können. Eine der einfachsten User-Research-Methoden mit extrem hoher Rendite ist das First-Click-Testing.
Was ist First-Click-Testing?
Einfach gesagt ist First-Click-Testing ein Usability-Test, bei dem Nutzern eine Aufgabe gestellt wird, die sie innerhalb Ihres Produkts durchführen sollen. Statt die Aufgabe tatsächlich zu erledigen, sagen die Nutzer Ihnen, wohin sie zuerst klicken würden, um die Aufgabe auszuführen, die Sie ihnen gestellt haben.
Wenn Ihr Unternehmen zum Beispiel eine Zahlungs-App hat, könnten Sie einer Gruppe von Nutzern einen Wireframe oder den tatsächlichen Home-Screen Ihrer App zeigen und ihnen sagen, sie sollen sich vorstellen, dass sie ihren Kontostand prüfen möchten. Dann stellen Sie die Frage: Wohin würden Sie zuerst tippen, um das zu tun? Und warum?
Diese Testmethode ist den Navigationstests sehr ähnlich, bei denen Nutzer ein Ziel vorgegeben bekommen und zeigen, wie sie dieses erreichen würden.
Was ist der Nutzen von First-Click-Testing?
Durch ihre Produktentwicklungs-Forschung haben die UX-Profis Bob Bailey und Cari Wolfson mehr oder weniger bewiesen, dass der erste Klick eines Nutzers ein starker Indikator für ein erfolgreiches oder nicht erfolgreiches Benutzererlebnis ist. Das klingt sehr einfach – aber was können Sie tatsächlich aus so einem simplen Usability-Test gewinnen? Die Antwort: eine ganze Menge. Mehr Wissen über den ersten Klick hilft Ihnen dabei, Fragen zu beantworten wie:
- Sind Tools und die Informationsarchitektur unseres Produkts so organisiert, dass sie für Nutzer logisch erscheinen?
- Können Nutzer die wichtigsten Aktionen in unserem Produkt schnell und einfach durchführen?
- In welchem Maß sind unsere Features, Tools und Informationen für unsere Nutzer auffindbar?
Warum ist das alles wichtig? So viel dazu: Wenn Nutzer beim ersten Schritt die falsche Aktion wählen, um eine bestimmte Aufgabe im Produkt zu lösen, ist das ein ernstes Problem.
Statistisch gesehen werden einige dieser Nutzer aufgeben, andere werden verwirrt oder frustriert sein. Wenn wir zu unserem gemeinsamen Ziel als Produktprofis zurückkommen – eine intuitive und benutzerfreundliche Erfahrung im Sinne unserer Ziele und KPIs zu bieten –, wissen wir, dass wir solche Szenarien vermeiden wollen.
Wenn wir es schaffen, dass der erste Klick in jedem Workflow von der großen Mehrheit unserer Nutzer problemlos erkannt wird, sind wir auf dem besten Weg, nahtlose User Experiences zu schaffen.
Jetzt, wo alle überzeugt sind, lesen Sie weiter, um First-Click-Testing im Alltag Ihres Teams anzuwenden.
Wie funktioniert First-Click-Testing? Hier ist Ihre Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Schritt 1: Definieren Sie Ihre Ziele
Wie bei jeder Form des User-Testings müssen Sie auch hier zunächst festlegen, was Sie genau herausfinden möchten. Sie und Ihr Team sollten sich fragen, welche Features oder Abläufe innerhalb Ihres Produkts aktuell Priorität haben.
Sobald Sie festgelegt haben, was Sie überprüfen möchten, stellen Sie sicher, dass alle Stakeholder informiert sind und fahren Sie mit dem nächsten Schritt fort.
Schritt 2: Sammeln Sie die Materialien, die Sie für den Test benötigen
Wenn Sie Ihr aktuelles Produkt testen, ist das relativ einfach. Möchten Sie jedoch ein zukünftiges Konzept testen, das noch nicht implementiert ist, müssen womöglich die Designenden einen Screenshot gestalten und senden, oder jemand aus dem Produktteam erstellt einen Wireframe, den Sie den Testpersonen vorlegen können. Was auch immer es ist – bringen Sie das frühzeitig auf den Weg, denn Design oder Wireframing kann Zeit in Anspruch nehmen.
Neben dem Produkt-Visual, das Sie den Testpersonen zeigen, brauchen Sie auch eine klare Testanleitung. Am besten erstellen Sie ein Dokument, in dem Sie die zu testenden Aufgaben aufführen, die Sie und Ihr Team im vorherigen Schritt erarbeitet haben.
Beispiel:
Stellen Sie sich vor, Sie möchten die Leistung Ihrer neuesten Anzeige auf der Plattform überprüfen. Sagen Sie uns bitte mündlich: Wo würden Sie als Erstes klicken, um diese Information zu finden?
Sobald Sie Ihre visuellen Materialien und Testanweisungen festgelegt haben, können Sie zum nächsten Schritt übergehen.
Schritt 3: Das richtige Tool auswählen und Testpersonen rekrutieren
Was die Auswahl des Tools für First-Click-Tests sowie die Rekrutierung von Teilnehmenden betrifft, leben Sie zum Glück in einer Welt mit einer Vielzahl von Möglichkeiten.
Meine Empfehlung – aufgrund ihrer Einfachheit und Geschwindigkeit – ist die Nutzung einer Plattform wie UserTesting, UsabilityHub (jetzt Lyssna), Chalkmark von Optimal Workshop oder UserZoom, um Ihre Tests durchzuführen. Beachten Sie, dass diese Tools oft zu verschiedenen Zeitpunkten im Designprozess genutzt werden, sodass es sich lohnt, bei Ihrem Designteam nachzufragen, ob Ihr Unternehmen bereits ein Konto hat.
Sobald Sie ein Konto bei einem dieser All-in-One-Usability-Testtools erstellt haben, können Sie Ihren Test hochladen, die gewünschten Testpersonen definieren und rekrutieren und die aufgezeichneten Sitzungen in aller Ruhe ansehen und analysieren.
Manche Menschen führen diese Sitzungen lieber persönlich oder per Videokonferenz durch, da dies die Möglichkeit bietet, während des Tests direkte Rückfragen an die Nutzer zu stellen. Auch wenn das für viele Usability-Testmethoden ein klarer Vorteil ist, ist First-Click-Testing so einfach, dass Sie gut abwägen sollten, ob sich der nötige Aufwand für Zeitplanung und eigene Rekrutierung von Nutzern wirklich lohnt.
Schritt 4: Testergebnisse analysieren und Maßnahmen ableiten
Sobald Sie Ihre aufgezeichneten Sitzungen haben – unabhängig davon, ob live mit Nutzenden oder nicht –, ist es an der Zeit, die Erkenntnisse zu verarbeiten. Das kann auch Spaß machen, indem Sie Ihr Team versammeln und die Sitzungen gemeinsam anschauen, oder Sie teilen die Auswertung im Team untereinander auf. Egal, wie Sie vorgehen, achten Sie darauf:
- Notieren Sie die wichtigsten Ergebnisse: Wie viele Nutzende haben beim jeweiligen Task den „richtigen“ First-Click gewählt? Das ist der quantitative Anteil Ihrer Ergebnisse, diese Kennzahlen sind zwar nicht alles, aber dennoch wichtig.
- Nehmen Sie sich Zeit für die qualitativen Aspekte Ihrer Ergebnisse: Wenn Nutzende nicht den richtigen ersten Klick getätigt haben, wohin sind sie stattdessen gegangen? Wie haben sie ihre Entscheidung begründet?
Nachdem Sie die Erkenntnisse zum Nutzerverhalten gesammelt haben, besprechen Sie sich im Team und erstellen Sie entsprechende Maßnahmen. Muss Ihre oberste Informationsebene überarbeitet werden? Was können Sie tun, um die beobachteten Problembereiche anzugehen?
Bereit loszulegen?
Hoffentlich haben Sie nun ein gutes Verständnis dafür, warum und wie Sie First-Click-Testing in Ihrem Team implementieren können. Wir empfehlen, das Thema auch anderen Produktbeteiligten vorzustellen – teilen Sie diesen Leitfaden oder bringen Sie das Thema informell in einem Teammeeting ein, damit auch andere davon profitieren können.
Wenn Sie mehr über nützliche Nutzerforschungsmethoden erfahren möchten, mit denen Sie hervorragende Nutzererlebnisse schaffen können, abonnieren Sie unbedingt den Newsletter des CPO Club. Dort erhalten Sie regelmäßig Leitfäden wie diesen.
Viel Erfolg beim Testen!
