Ich werde nie vergessen, wie ich etwa sechs Monate nach meinem Einstieg in die Tech-Branche endlich zugeben musste, dass ich immer noch keine Ahnung hatte, worin eigentlich der Unterschied zwischen UX und UI besteht. Produktbeteiligte werfen diese Begriffe um sich, als wären sie austauschbar – dabei sind sie zwar miteinander verwandt, aber keinesfalls dasselbe.
Lassen Sie mich Ihnen die Verwirrung ersparen: UX bezeichnet, wie Nutzer eine Oberfläche erleben und mit ihr interagieren, während UI darauf abzielt, wie die Oberfläche aussieht und welche visuellen Elemente sie umfasst. Gute Produktarbeit hängt davon ab, beide Aspekte im Detail zu verstehen und zu wissen, wann welcher eingesetzt werden sollte.
Steigen wir ein.
Was ist UX?
UX steht für User Experience (Nutzererlebnis) und beschreibt, wie sich die Nutzung eines Produkts für die Anwender anfühlt. Läuft alles reibungslos und intuitiv ab? Finden die Nutzer, was sie suchen, und können sie tun, was sie vorhaben? Wenn Designer oder Produktmanager an UX arbeiten, dann:
- Verstehen die Bedürfnisse der Zielnutzer und erstellen Funktionen sowie Benutzerabläufe, die diese Bedürfnisse erfüllen.
- Setzen Low-Fidelity-Wireframes ein, um verschiedene Abläufe zu testen und herauszufinden, welche die Anforderungen der Endnutzer am besten erfüllen.
- Überprüfen ihre digitalen Produkte auf Benutzerfreundlichkeit, um das Erlebnis schneller, einfacher oder besser zu machen und beheben etwaige Barrierefreiheitsprobleme.
- Verstehen, wie Nutzer mit dem Produkt umgehen – ganzheitlich betrachtet – und wie sie die Interaktion der Nutzer mit dem Produkt stärker an deren Bedürfnissen ausrichten können.
Die Arbeit eines UX-Designers dreht sich vollständig um die Frage, wie Nutzer tatsächlich mit einem Produkt interagieren und welche Kontaktpunkte sie dabei erleben. Zum Beispiel der Bezahlvorgang in einem Onlineshop oder der Anmeldeprozess für eine Web-App. Es geht darum, das Produkt so auf die Nutzerbedürfnisse abzustimmen, dass die Erlebnisse reibungslos, effizient und im Idealfall sogar angenehm sind.
Was ist UI?
UI steht für User Interface (Benutzeroberfläche) und bezieht sich auf die praktischen Aspekte des Interaktionsdesigns. Während UX Einblicke gibt, wie das Erlebnis für Nutzer sein sollte, beschreibt UI, wie dieses Erlebnis durch die Gestaltung der Oberfläche konkret umgesetzt wird. Buttons, Handlungsaufforderungen, Drop-down-Menüs, Banner, Animationen und responsives Design sind alles Teil der UI. Wenn Designer an der UI arbeiten, dann:
- Nutzen UX-Erkenntnisse und Design-Feedback, um ein digitales Design zu schaffen, das als optimale Oberfläche für das bestmögliche Nutzungserlebnis dient.
- Prototypisieren und testen Oberflächen und visuelle Elemente für die Frontend-Entwicklung mit Features und Abläufen, die auf UX-Erkenntnissen basieren.
- Erstellen Styleguides, Designsysteme und Templates, um die konsistente Entwicklung intuitiver UI-Elemente zu standardisieren.
- Priorisieren neue Funktionen und UI-Elemente nach Faktoren wie Wichtigkeit, Impact und Aufwand (manchmal mit Hilfe eines Ideenmanagement-Prozesses).
UI ist ein Teil des UX-Designprozesses und geht Hand in Hand mit einer effektiven Entwicklung von Nutzererlebnissen im Web. Häufig ist eine schlechte User Experience auf ineffektive UI-Elemente zurückzuführen.
UX vs. UI: Unterschiede & Gemeinsamkeiten
Okay, jetzt kommen wir der Sache näher, oder? UX bedeutet, zu erforschen und zu verstehen, wie Nutzer mit einer Oberfläche umgehen, und UI ist der greifbare Teil eines Produkts – also die Benutzeroberfläche selbst. Werfen wir einen Blick auf einige weitere, spezifische Unterschiede und Gemeinsamkeiten:
| Unterschiede | Gemeinsamkeiten | ||
| UX | UI | ||
| Zweck | Bedürfnisse der Nutzer verstehen, um ein intuitives, effizientes und angenehmes Produkt zu schaffen. | Verwendung greifbarer, sichtbarer Elemente, um das optimale Nutzererlebnis zu gestalten. | Beide arbeiten zusammen, um für den Nutzer ein ideales Produkterlebnis zu ermöglichen. |
| Verantwortlichkeiten | UX-Recherche Wireframing Usability-Tests | Verstehen von UX-Erkenntnissen Prototyping Gestaltung visueller Elemente | Beide setzen sich dafür ein, den Nutzer zu verstehen und ein Erlebnis zu gestalten, das seinen Bedürfnissen, Motivationen und Verhaltensweisen entspricht. |
| Techniken | Nutzerforschung Niedrigauflösende Experimente wie Wireframes erstellen | Hochwertige Experimente wie Prototyping Hochwertiges, finales Design | Beide beinhalten iterative Techniken – sie prüfen, was funktioniert und versuchen, schrittweise Verbesserungen zu erzielen. |
| Werkzeuge | Nutzerforschungs- und UX-Design-Plattformen Figma oder andere Design-Tools Wireframing-Tools | Adobe Suite, Figma oder andere Design-Tools Prototyping-Tools Ideenmanagement-Software | Design-Plattformen sind gängige Tools sowohl für UX- als auch für UI-Profis. Es ist wichtig, dass die jeweilige Technik jedes Spezialisten eine Integration für die Zusammenarbeit ermöglicht. |
| KPIs | Metriken, die uns helfen, die Benutzerfreundlichkeit zu verstehen, wie z. B. Abbruchquoten in einem Flow Verschiedene andere Geschäftsmetriken, wie Conversions | Metriken, die uns helfen, die Benutzerfreundlichkeit zu verstehen, wie z. B. Abbruchquoten in einem Flow Verschiedene andere Geschäftsmetriken, wie Conversions | UX und UI haben meist gemeinsame Ziele und KPIs. Sie arbeiten zusammen, um das beste Erlebnis zu erzielen, und die Effektivität wird üblicherweise parallel gemessen. |
UX vs. UI: Unterschiede
Hier erläutere ich die in der Tabelle hervorgehobenen Unterschiede.
1. Der Zweck von UX ist das Verstehen, während der Zweck von UI das Erschaffen ist
Obwohl sowohl UX als auch UI ein tiefes Verständnis der Nutzer über einen umfassenden UX-Design-Forschungsprozess erfordern, sorgt die Arbeit im UX dafür, dieses Verständnis im Hintergrund des Produkts zu schaffen. UI hingegen ist das tatsächliche Design, das das optimale Nutzererlebnis ermöglicht.
Möchten Sie es besser verstehen? Öffnen Sie eine beliebige App auf Ihrem Handy. Was Sie sehen, ist die UI. Was Sie tun, warum Sie es tun und wie Sie es empfinden, ist das UX.
2. Die Aufgaben eines UX-Spezialisten sind forschungsbasiert, während die Aufgaben eines UI-Designers ergebnisorientiert sind
UX-Profis verbringen ihre Tage mit unterschiedlichster Nutzerforschungsplanung und der Umsetzung dieser Pläne – etwa durch Nutzerinterviews, Usability-Studien und das Mapping von Nutzerreisen. Die Ergebnisse dieser Arbeit nutzen sie, um erste grobe Designs, sogenannte Wireframes, zu erstellen. Damit können sie die optimalen Aspekte von Funktionen und Abläufen an die Designer kommunizieren, die anschließend das UI erstellen.
UI-Profis übernehmen die Informationen und Wireframes aus dem UX und vertiefen sich in Designdetails wie Schriftarten und Typografie, interaktive Elemente und pixelgenaues Grafikdesign. Anschließend entwerfen sie Prototypen unterschiedlicher Designkonzepte, testen diese mit Nutzern und bestimmen letztlich das optimale visuelle Design.
3. UX-Techniken sind untersuchend, UI-Techniken sind greifbar
Die Arbeit im UX baut auf Methodik der Nutzerforschung und niedrigauflösende Designs, die nie direkt Nutzern gezeigt werden sollen. Das ist ein zentraler Bestandteil des kreativen Prozesses: Nutzer-Personas zu skizzieren, Informationsarchitektur, Funktionen und Abläufe zu gestalten, die möglichst gut zu den Nutzerbedürfnissen passen.
UI-Design übernimmt das User Experience Design und übersetzt es in greifbare Ergebnisse. Dabei kommt es auf das tatsächliche Gestalten, Verschieben und Perfektionieren von Pixeln in Designsoftware an, um das zu erschaffen, was Nutzer am Ende sehen.
Beide Bereiche sind entscheidend für das gesamte Produktdesign, egal ob es sich um Webdesign oder mobile Apps handelt.
4. UX-Tools sind forschungsorientiert, während UI-Tools die Umsetzung ermöglichen
UX-Fachleute kommen möglicherweise aus einem Design-Hintergrund und beherrschen Design-Tools, aber die Arbeit im UX-Bereich findet seltener mit fortgeschrittener Design-Software statt. UX-Aufgaben beinhalten typischerweise Tools, die dazu dienen, das Nutzerverhalten zu verfolgen und zu analysieren. Die Gestaltung der Benutzeroberfläche hingegen erfolgt in der Regel mit Design-Tools wie der Adobe Suite oder Figma.
5. UX- und UI-Spezialisten verfolgen KPIs auf unterschiedliche Weise
Auch wenn UX- und UI-Designer möglicherweise dieselben Key Performance Indicators verwenden und dieselben Kennzahlen verfolgen, betrachten sie diese meist aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Ein UI-Designer konzentriert sich eher darauf, welche Handlungen Nutzer ausgeführt haben, während ein UX-Spezialist die Beweggründe hinter diesen Handlungen erforscht.
Ähnlichkeiten zwischen UX und UI
Lassen Sie uns nun die in der Tabelle aufgeführten Ähnlichkeiten zwischen UX und UI genauer betrachten.
1. UX und UI sind beide entscheidende Bestandteile des Produktdesigns
Jedes Produkt, das Sie verwenden, wurde unter Einbeziehung von UX und UI entwickelt. Die UX- und UI-Fachleute haben gemeinsam Ideen entwickelt und ein Erlebnis geschaffen, das auf die Bedürfnisse, Verhaltensweisen und Motivationen der Nutzer abgestimmt ist. UX/UI-Design-Experten haben diskutiert, wie sich dieses Erlebnis intuitiv gestalten lässt, und dabei ihre jeweiligen Forschungs- und Designkompetenzen eingebracht, um das Nutzererlebnis als Hauptziel zu optimieren.
2. Sowohl UX als auch UI erfordern, Zeit zu investieren, um die Nutzer zu verstehen
Nutzerforschung, um die Zielgruppe zu verstehen, gehört zum Bereich UX, aber auch Verantwortliche für die UI müssen die daraus resultierenden Erkenntnisse nachvollziehen. Dies sind beides entscheidende Teile des Designprozesses und dieses Wissen zählt zu den wichtigsten Gestaltungsprinzipien im Design Thinking: Niemand, der am Designprozess beteiligt ist, kann sich diesem entziehen!
3. Sowohl UX als auch UI setzen stark auf Iteration und Experimentieren
Während UX-Experten meist mit Low-Fidelity-Designs arbeiten und UI-Designer an High-Fidelity-Prototypen, erstellen beide in der Regel viele Varianten von Konzepten und Designs, bevor das finale Ergebnis erreicht wird. Sowohl UX als auch UI basieren auf einem kreativen Prozess, bei dem unterschiedliche Lösungsansätze ausprobiert und so lange weiterentwickelt werden, bis das optimale Ergebnis erzielt wird.
4. Sowohl UX als auch UI haben konkrete Ergebnisse, die auf Design-Software basieren
Wir haben bereits darüber gesprochen, dass UX-Ergebnisse häufig Low-Fidelity-Wireframes oder Mockups sind und UI-Ergebnisse detailliertes, endgültiges und nutzerorientiertes Design darstellen. Interessanterweise arbeiten sowohl UX-Experten als auch UI-Designer oft mit Design-Software. Heutzutage greifen sie vielleicht auch auf KI-gestützte Designsoftware zurück (mehr zu den Vorteilen von KI-Designsoftware finden Sie hier).
Auch das Erstellen von groben Wireframes ist eine visuelle Arbeit und mit Tools wie Figma ziemlich einfach umsetzbar. Gleichzeitig bieten Programme wie Figma und die Adobe Suite sämtliche fein abgestimmten Funktionen, die für die Erstellung von Nutzeroberflächen erforderlich sind.
5. UX und UI verfolgen gemeinsame Ziele und KPIs
Wie auch immer ein Unternehmen die Qualität seines Produkts misst, in der Regel werden sowohl Nutzerverhalten als auch geschäftliche Kennzahlen herangezogen. Diese KPIs sind das Ergebnis der Zusammenarbeit von UX und UI und spiegeln den gemeinsamen Erfolg der beiden Disziplinen wider.
Ist UX oder UI wichtiger?
Inzwischen wissen Sie, dass dies eine Fangfrage ist: Das eine ist ohne das andere ziemlich nutzlos. Ohne die fokussierte Recherche im UX-Bereich wird die UI vermutlich nicht die Nutzerbedürfnisse erfüllen und nicht intuitiv genug sein, um die KPIs des Teams zu erreichen. Ohne UI gibt es nichts Greifbares, mit dem der Nutzer interagieren könnte, egal wie gut das Team seine Zielgruppe versteht.
In der Produktentwicklung beginnt man meist mit UX, während UI die Lösung darstellt. Schließlich kann man Nutzungsprobleme nur dann lösen, wenn man die Probleme der Nutzer verstanden hat. Danach benötigt man eine Benutzeroberfläche, die für Nutzer intuitiv ist und beim Benutzen Freude bereitet. Sie muss gut funktionieren und sich gut anfühlen. Und im weiteren Verlauf zeigt ein Blick auf die KPIs, dass man nicht immer alles richtig macht. UX versucht herauszufinden, warum das so ist, und die UI greift diese Erkenntnisse gestalterisch auf.
UX und UI sind ein perfektes Paar (sorrynotsorry), die Hand in Hand arbeiten, um eine Nutzererfahrung zu schaffen, die an den Bedürfnissen und Wünschen der Nutzer ausgerichtet ist – oft auch als nutzerzentriertes Design bezeichnet. Der Erfolg des Produktentwicklungsprozesses hängt immer vom nutzerzentrierten Design ab – und das ist ohne das Wissen und die Fähigkeiten sowohl eines guten UX- als auch eines guten UI-Teams nicht möglich.
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