Wie finden Unternehmen Erfolg mit bahnbrechenden Ideen? Ideation (Ideenfindung) ist ein Begriff, der häufig verwendet, aber nicht immer vollständig verstanden wird. Der Prozess, potenzielle Wege zur Lösung eines Problems zu entwickeln, die besten Möglichkeiten herauszufiltern und sie in sinnvolle Lösungen umzuwandeln, ist tatsächlich eine Kunstform. Und die Teams, die darin Meister sind, bringen die besten und nachhaltigsten neuen Produkte und Funktionen hervor.
Schauen wir uns den Prozess der Ideenfindung genauer an und wie du ihn als Product Manager gezielt moderieren kannst, um bessere Ergebnisse zu erzielen.
Was ist Ideation?
Ideation ist der kreative Prozess des Generierens, Entwickelns, Bewertens und Umsetzens neuer Ideen. Sie ist auch ein zentraler Bestandteil des Design-Thinking-Prozesses, der fünf Hauptphasen umfasst: Empathie, Definition, Ideenfindung, Prototyp und Testen. Im Produktmanagement geht es bei Ideation darum, potenzielle Lösungen für Nutzerprobleme oder Wege zur Verbesserung des Nutzererlebnisses deines Produkts oder Services zu entwickeln.
Die fünf Phasen des Design Thinking und ihre Rolle bei der Ideenfindung
Viele Produktmenschen tappen in die Falle, Ideation als eigenständige Aufgabe zu betrachten, anstatt sie als Teil eines kontinuierlichen Loops zu sehen. Wie ein Gast im The CPO Club Podcast in Warum ist Innovation so schwierig? betonte, wird Ideation ohne Verankerung in Verständnis und Problemdefinition schnell zu Lärm statt Signal.
Wenn du schon einmal versucht hast, einen Ideation-Workshop durchzuführen, ohne ihn im großen Ganzen zu verankern, dann weißt du wahrscheinlich, wie schnell die Dinge in "Post-it-Chaos" ausarten können. Denn Ideation ist kein magischer Trick für sich – sie ist nur ein Teil eines größeren Prozesses namens Design Thinking.
Bevor du nun die Augen verdrehst, weil es noch ein weiteres Fünf-Phasen-Modell gibt, höre kurz zu. Design Thinking ist weniger eine starre Schritt-für-Schritt-Checkliste und vielmehr eine flexible Denkweise, die Produktteams hilft, nutzerzentriert und kreativ zu bleiben. Und das Beste daran: Es ist kein geradliniger Prozess. Man bewegt sich nicht einfach von Schritt eins bis fünf und feiert im Ziel den Sieg. Viel öfter springt man hin und her, sobald neue Erkenntnisse auftauchen (meist genau dann, wenn man denkt, man hätte es geschafft).
Die frühen Phasen, Empathie und Definition, bereiten die Ideenfindung auf Erfolg vor. Zeit mit Nutzern zu verbringen, um echte Einblicke zu gewinnen, und diese anschließend in eine klare Problemstellung zu übersetzen, bietet deinem Team einen gezielten Startpunkt. Ohne dieses Fundament besteht die Gefahr, dass Brainstormings in irrelevante oder unbrauchbare Richtungen abdriften.
Hier eine kurze Auffrischung der Phasen:
Empathie – Lerne deine Nutzer kennen, als würdest du sie einen Tag lang begleiten. Beobachte, höre zu und gehe den wahren Schmerzen auf den Grund.
Definition – Verdichte all diese chaotischen Empathie-Daten zu einer klaren Problemstellung, hinter der du und dein Team euch versammeln könnt.
Ideenfindung – Jetzt ist Raum für große Ideen. Brainstorme, skizziere und denke über offensichtliche Antworten hinaus.
Prototyp – Baue schnelle, unkomplizierte Prototypen deiner Ideen, um sie greifbarer zu machen.
Testen – Präsentiere diese Prototypen den Nutzerinnen und sieh, was ankommt (und was durchfällt).
Die Schönheit liegt in der Schleife. Du definierst ein Problem, entwickelst Ideen dazu, prototypisierst etwas, testest es – und stellst fest, dass das Problem vielleicht doch nicht ganz richtig definiert war. Zurück zum Anfang. Und das ist völlig in Ordnung. Gerade dieses Hin und Her führt zu den Durchbrüchen.
Wenn du also im Modus der Ideenfindung bist, denke daran: Die Qualität deiner Brainstorms ist direkt davon abhängig, wie gründlich du zu Beginn empathisiert und definiert hast. Und die jetzt entwickelten Ideen werden noch besser, sobald du sie durch den Prototyp-und-Test-Zyklus jagst. Es hängt alles zusammen – und die besten Product Manager wissen, wie sie flexibel zwischen den Phasen wechseln, ohne irgendwo stecken zu bleiben.
Ideation vs. Ideenfindung

Obwohl sie oft synonym verwendet werden, sind Ideation und Ideenfindung unterschiedliche Begriffe mit eigener Bedeutung. Ideation umfasst alle Phasen des Ideenmanagements, von der Entstehung bis zur Bewertung und Verfeinerung. Ideenfindung hingegen bezeichnet speziell die Phase, in der eine Vielzahl von Ideen entwickelt wird.
Beide Konzepte sind zentral für den kreativen Prozess in der Produktentwicklung, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihres Umfangs, ihrer Ziele und Ergebnisse. So sieht es aus:
- Umfang: Ideation ist ein durchgehender Prozess von der Generierung über die Entwicklung bis zur Verfeinerung von Ideen; Ideenfindung ist die Anfangsphase des Brainstormings.
- Ziel: Ziel der Ideation ist es, vollständig ausgearbeitete, umsetzbare Ideen zu entwickeln; das Ziel der Ideenfindung ist es, eine große Menge an Ideen zu sammeln.
- Ergebnis: Ideation liefert eine kuratierte Auswahl an umsetzbaren Ideen; Ideenfindung ergibt eine breite und vielseitige Liste potenzieller Startpunkte.
Trends, die die Ideenfindung in 2026 prägen
Obwohl Ideation (Ideenfindung) schon lange ein fester Bestandteil des Ideenmanagements ist, beeinflussen heutzutage verschiedene Faktoren ihre Bedeutung im aktuellen Geschäftsumfeld. Der Aufstieg von KI und maschinellem Lernen, wirtschaftliche Turbulenzen und Veränderungen in den Erwartungen der Verbraucher haben allesamt Einfluss darauf, wie Teams im Jahr 2025 Ideen managen. Es lohnt sich genauer hinzuschauen, wie diese Trends den Prozess des Entwickelns, Auswählens und Umsetzens neuer Ideen beeinflussen.
KI als unternehmerische Notwendigkeit

Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen automatisieren längst nicht mehr nur repetitive Aufgaben oder vereinfachen Prozesse zur Ideenfindung – sie sind mittlerweile Grundvoraussetzungen für neue Produkte und Feature-Releases. Fühlt sich Ihr Produkt nicht KI-gestützt an, wirkt es im Vergleich zu Konkurrenzprodukten mit neuen Bots und Algorithmen schnell irrelevant.
Doch während wir uns alle bemühen, mit plötzlich allgegenwärtigen KI-Tools vertraut zu werden, wie gut gelingt es uns wirklich, innovative Wege zu finden, diese Technologien in unsere Produkte zu integrieren? Es ist entscheidend, dass Produktteams dabei nicht den tatsächlichen Mehrwert ihrer Ideen aus den Augen verlieren, während sie in einem Wettlauf versuchen, der Konkurrenz zuvorzukommen. Andernfalls droht man, in einem Jahr vor einem konzeptlosen Flickenteppich schlecht umgesetzter Ideen zu stehen, die zu übereilt implementiert wurden.
Wirtschaftliche Turbulenzen bringen das Boot ins Schwanken

Die Wellen wirtschaftlicher Schwankungen zwingen immer mehr Produktteams von ihren Yachten in die Rettungsboote. Mit weniger Ressourcen, strafferen Budgets und kleinerer Besetzung versucht jeder, mit weniger mehr zu erreichen – und das in einem wackligen Boot, das höhere Wellen durchquert.
Sie haben das Boot-Metapher inzwischen sicher verstanden, aber die Herausforderung bleibt bedeutend. Ideation-Methoden wie die „schlechteste mögliche Idee“ erscheinen plötzlich als überholte Spielereien aus der Vergangenheit, wenn Teams darum kämpfen, ambitionierte Zielvorgaben zu erfüllen. Gleichzeitig werden auch Verbraucher wählerischer, da sie sich ebenso mit finanziellen Engpässen konfrontiert sehen. Was uns direkt zum nächsten Punkt bringt…
Der neue Konsument verlangt einen neuen Ansatz

Die Konsumgewohnheiten haben sich in den letzten Jahren dramatisch verändert und beeinflussen heute, wie Teams Ideation-Workshops und Produktentwicklung angehen. Die wandelnde Wirtschaftslage ist dabei nur ein Faktor. Werteorientierter Konsum nimmt zu, weil Verbraucher nach Marken suchen, die mit ihren Überzeugungen übereinstimmen, und die Kaufkraft der Generation Z wächst von Jahr zu Jahr.
Doch auch rein demografie-basierte Personas verlieren an Bedeutung, da detailliertes User-Tracking ein klareres Bild vom Nutzerverhalten der Zielgruppen zeichnet. Und der Wunsch nach hyper-personalisierten Erlebnissen führt dazu, dass Produktteams mehr Anpassungsmöglichkeiten in Produkte und Nutzerprozesse integrieren. All dies sorgt dafür, dass der Prozess der Ideenfindung heute ganz anders aussieht als noch vor wenigen Jahren.
Was sind die Phasen des Ideationsprozesses?

Mit einem besseren Verständnis der Bedeutung von Ideation und wie aktuelle Realitäten die Phase der Ideenfindung von Produktteams prägen, schauen wir uns nun die einzelnen Phasen des Ideationsprozesses genauer an. Indem Teams den 6 Phasen des Ideenentwicklungsprozesses folgen, können sie effektiver Ideen generieren, bewerten und umsetzen, die bestmöglich auf ihre Ziele abgestimmt sind. Die Phasen sind folgende:
- Problemerkennung: Identifizieren und definieren Sie klar eine Problemstellung, die einen Schmerzpunkt, eine Motivation oder ein Bedürfnis Ihrer Kunden zusammenfasst. Dies hilft, das Team auf ein gemeinsames Ziel auszurichten und bildet die Grundlage für eine insgesamt effektivere Ideationsphase.
- Ideengenerierung: In dieser Phase veranstalten Sie eine Brainstorming-Session oder nutzen Kreativitätstechniken wie das Storyboarding, um mögliche Lösungen für Ihr definiertes Problem zu skizzieren. Je mehr Ideen, desto besser! Sie müssen nicht alle davon übernehmen.
- Ideenbewertung: Bewerten und filtern Sie die Ideen anhand von Kriterien wie Umsetzbarkeit, Skalierbarkeit und Übereinstimmung mit den Unternehmenszielen. So kann Ihr Produktteam die vielversprechendsten zur Entwicklung und zum Testen auswählen.
- Ideenumsetzung: Entwickeln Sie Prototypen oder minimal funktionsfähige Produkte (MVPs) Ihrer besten Produktideen. Wichtig ist es, die entscheidenden Funktionen zu verwirklichen und gleichzeitig den Entwicklungsprozess schlank zu halten.
- Ideenvalidierung: Mit Ihrem greifbaren Produkt- oder Feature-Ausgang sind Sie bereit, reale Tests zur Validierung durchzuführen. In diesem Stadium sammeln Sie Nutzer-Feedback und analysieren die Ergebnisse, um festzustellen, wie erfolgreich Ihre Idee ist und wo Verbesserungsbedarf besteht.
- Ideenverfeinerung: Verfeinern und verbessern Sie die Produktidee basierend auf dem Feedback und den Testergebnissen. Hier nimmt Ihr Team die notwendigen Anpassungen oder Verbesserungen vor, bevor das Produkt endgültig auf den Markt kommt.
Jede Phase baut auf der vorherigen auf und schafft so ein Rahmenwerk, das Produktteams von der Ideenfindung bis zur Ausarbeitung und letztendlichen Markteinführung sowie zur weiteren Produktoptimierung begleitet. Dieser strukturierte Ansatz gewährleistet kontinuierliche Verbesserung und Anpassungsfähigkeit, was für innovative und erfolgreiche Produkte unerlässlich ist. Viele Teams nutzen Ideenmanagement-Software, um diesen Prozess besser zu unterstützen.
Sobald Sie den Ideationsprozess durchlaufen und Ihre Ideen optimiert haben, könnte Ihnen auch unsere kuratierte Liste der besten Moodboard-Software dabei helfen, Ihre Ideen zu visualisieren und zu organisieren.
So moderieren Sie eine erfolgreiche Ideationssitzung: 3 wichtige Tipps
Eine effektive Moderation einer Ideationssitzung unterstützt die Entwicklung innovativer Ideen und trägt maßgeblich zum Erfolg neuer Produktinitiativen bei. Eine gut geführte Session bündelt die kollektive Kreativität Ihres Teams und führt zu sinnvollen Lösungen, die bei Ihrer Zielgruppe Anklang finden. Mit diesen Strategien gestalten Sie Ihre Ideationssitzung produktiver:
1. Klare Ziele setzen
Definieren Sie vor Beginn der Sitzung ein klares Ziel. Das hilft, Ihr Team hinter einem gemeinsamen Vorhaben zu vereinen und die Beteiligten auf das gewünschte Ergebnis des Workshops auszurichten. Hier sind einige Beispiele für Ziele, die Sie in Ihrer Ideationssitzung anstreben könnten:
- Eine Problemstellung für Ihre Zielgruppe definieren
- Ideen entwickeln, um eine Problemstellung zu adressieren
- Ideen durchgehen, um diejenigen mit dem größten Potenzial zu identifizieren
- Das Minimalprodukt definieren, um Ihre Idee zu testen
- Die Ergebnisse des Nutzertests analysieren
- Probleme an Ihrem aktuellen Produkt erkennen
Wie Sie sehen, kann Ihre Ideationssitzung auf jede Phase der Ideenentwicklung eingehen. Umso wichtiger ist es, dass alle darüber informiert sind, wie Sie die Zeit nutzen möchten.
2. Die richtige Umgebung schaffen
Dieser Aspekt umfasst den physischen oder virtuellen Rahmen Ihrer Ideationssitzung, aber auch das psychologische Umfeld, das Sie dafür schaffen. Kreativität braucht Raum und Zeit, um neue Wege zu denken. Planen Sie ausreichend Zeit ein, reservieren Sie einen Meetingraum oder führen Sie die Sitzung in einem kreativen Online-Bereich durch – nutzen Sie dazu zum Beispiel ein Whiteboarding-Tool oder kollaborative Design-Software.
Produktmanager wissen, wie wichtig Tools wie Miro für die Ideenentwicklung sind. Gemeinsame Kreativität ermöglicht es Ihrem Team, Lösungen zu finden, die über die individuellen Ideen weit hinausgehen.
Ich nutze Miro für alles – Workshops, Retrospektiven und das Abbilden von Arbeitsabläufen. Es ist einfach so leicht, einzusteigen und direkt loszulegen.
Was das psychologische Element betrifft, ist es wichtig, während Ihrer Session ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit zu schaffen. Wenn Teilnehmende befürchten, abgelehnt oder kritisiert zu werden, könnten Ihnen die innovativsten Lösungen und Ideen entgehen. Setzen Sie den Ton mit einer Regel wie „Es gibt keine schlechten Ideen“ oder „Keine Kritik“, wenn es um die Generierung von Ideen geht. Für die Weiterentwicklung von Ideen können Sie zum Beispiel auf eine Regel wie „Keine Kritik ohne alternativen Vorschlag“ setzen.
3. Verwenden Sie eine Ideation-Technik
Es gibt viele Brainstorming-Techniken, die jede Phase Ihres Ideationsprozesses unterstützen. Hier einige, die Sie einsetzen können:
- Mind Mapping: Ein hierarchisches, visuelles Diagramm. Diese Methode eignet sich hervorragend, um Benutzerbedürfnisse, Schmerzpunkte oder eine User Journey zu skizzieren, um Ihr Problemlösungs-Fokus zu lenken.
- SCAMPER: Ein hilfreiches Rahmenwerk zur Ideenfindung oder -verbesserung. Es betrachtet, was Sie Substituieren, Kombinieren, Anpassen, Modifizieren, einer anderen Verwendung zuführen, Eliminieren oder Umkehren könnten.
- Brainwriting: Bei dieser Brainstorming-Technik schreibt jede Person ihre Ideen auf, anstatt sie laut zu äußern. Das hilft, Gruppendenken entgegenzuwirken.
Die spezifische Technik, die Sie wählen, hängt davon ab, in welcher Phase des Ideationsprozesses Sie sich in Ihrer Session befinden. Aber unabhängig vom Ziel hilft eine Struktur oder das Nutzung von Design-Frameworks, Ideationssitzungen produktiv und zielgerichtet zu gestalten.
Nutzen Sie Ideation als Ihren strategischen Vorteil
Je öfter Ihr Produktteam seine Ideationsfähigkeiten trainiert, desto besser werden Sie darin, Probleme zu identifizieren und Lösungen zu entwickeln. Mit der Zeit wird der Ideationsprozess zu einem vertrauten Ablauf, den Sie immer wieder durchlaufen. Hier geschieht auch die eigentliche Magie: Denn die besten Produkte sind jene, die sich kontinuierlich an die sich wandelnden Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen der Nutzer anpassen.
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