Produktteams haben einen relativ konstanten Bedarf, neue Ideen zu entwickeln: neue Wege, um den Nutzern Mehrwert zu bieten, Abläufe, die intuitiver sind als bisher, Funktionssets und strategische Richtungen, die Ihre Wettbewerber noch nicht gemeistert haben. Wenn Ihre Rolle als Produktmanager so viele Ideen erfordert, können Sie nicht einfach auf plötzliche Inspiration warten oder einmal pro Woche alles notieren, was Ihnen in den Sinn kommt.
Hier kommt Ihr neuer bester Freund ins Spiel: diese genialen Brainstorming-Techniken.
In diesem Leitfaden erfahren Sie, wie Sie gezielte und zielgerichtete Brainstorming-Sitzungen und Workshops mithilfe wichtiger Brainstorming-Techniken organisieren. Wir erklären außerdem, was eine effektive Brainstorming-Session ausmacht und wie Sie diese zur Unterstützung Ihrer Produkt-Roadmap einsetzen können.
Los geht’s.
Was ist der Zweck von Brainstorming-Techniken?
Eine Brainstorming-Technik ist eine strukturierte Methode zur Ideenfindung. Dabei werden geplante und gezielte Übungen mit Ihrem Team durchgeführt, die Sie dazu bringen, außerhalb Ihrer gewohnten Denkmuster oder allgemeinen Ideenmanagement-Praktiken zu denken. Das Entwickeln neuer und innovativer Ideen ist natürlich der Treibstoff für Ihre Produkt-Roadmap.
Hier sind einige der wichtigsten Vorteile, wenn Sie eine Brainstorming-Technik nutzen, wenn neue Ideen gefragt sind:
- Brainstorming-Methoden helfen Ihnen und Ihrem Team, anders zu denken. Jede Technik hat ihre eigene Herangehensweise, um die tiefsten Bereiche Ihres Gehirns anzuregen und gemeinsam neues Wissen für bisher ungedachte Ideen zu nutzen.
- Brainstorming-Techniken sprechen verschiedene Fachrichtungen an. Als Produktmanager arbeiten Sie bereichsübergreifend mit Webentwicklern, Designern, Marketing-Teams und mehr zusammen. Diese Techniken fördern Teamarbeit und bringen unterschiedliche Perspektiven für kreatives Problemlösen ein.
- Das Schaffen von Zeit und Raum fürs Brainstorming unterstützt Produktzeitpläne. Wenn Sie auf Inspiration warten, wie können Sie dann sicher sein, dass Sie die nötigen Ideen rechtzeitig für die Produkt-Roadmap entwickeln? Durch geplante Brainstorming-Sitzungen können Sie diese nach Bedarf organisieren, sodass fehlende Ideen Ihre Zeitpläne nicht ausbremsen.
6 Tipps für effektivere Brainstorming-Sitzungen

Bald werden Sie die passende Methode für Ihre erste Brainstorming-Session auswählen. Zuvor sollten wir jedoch ein paar Grundregeln für die Durchführung einer effektiven Ideensammlung mit Ihrem Team festhalten:
- Wählen Sie die passenden Teammitglieder aus: Je nachdem, wofür Sie Ideen suchen, sollten Sie bedenken, dass nicht nur PMs und Designer wertvolle Beiträge leisten können. Kollegen wie Produktmarketing-Manager, Business Development Associates und Kundenservice können ebenfalls wichtige Erkenntnisse für Ihr Brainstorming beisteuern.
- Mit einem Eisbrecher starten: Beginnen Sie mit einer kleinen Auflockerungsübung, um die Teilnehmer einzustimmen und ein Gefühl der Verbundenheit zu schaffen. Das ist besonders wichtig, wenn Sie ein größeres, bereichsübergreifendes Team haben, das im Arbeitsalltag nicht regelmäßig zusammenarbeitet.
- Ziel und Begründung vorab klar machen: Nachdem das Eis gebrochen ist, sollten alle verstehen, warum sie zusammengekommen sind. Sollen neue Ideen für ein Produkt entstehen? Oder geht es um eine Feature-Iteration? Was auch immer der Grund ist, formulieren Sie das Ziel klar und zeigen Sie unterstützende Daten, um zu verdeutlichen, warum das Brainstorming stattfindet.
- Strukturiert vorgehen: Es versteht sich nach diesem Artikel fast von selbst, aber ein Framework verleiht Ideenfindungs-Sitzungen eine klare Struktur. Dies kann eine der hier vorgestellten Techniken sein oder einfach eine Agenda mit festgelegten Zeitfenstern für einzelne Teile des Treffens. Eventuell lohnt sich auch der Einsatz einer Ideenmanagement-Software, um den Prozess vom Brainstorming bis zur Priorisierung und Entwicklung zu dokumentieren.
- Lassen Sie jemanden das Meeting protokollieren: Sie brauchen nicht nur eine Liste der generierten Ideen, sondern auch die wichtigsten Diskussionspunkte rund um diese Ideen, um anschließende Maßnahmen zu ergreifen. Achten Sie darauf, dass jemand die To-do-Punkte und deren Verantwortliche notiert. Das hilft Ihnen, in die nächsten Phasen des Ideenmanagement-Prozesses überzugehen.
- Ermutigen Sie die Teilnehmer, Ablenkungen zu vermeiden: Machen Sie Ihre Brainstorming-Session bei Präsenzmeetings möglichst smartphone- und laptopfrei. Für Online-Sessions können Sie die Teilnehmer bitten, Benachrichtigungen zu deaktivieren und andere Tabs zu schließen, um fokussiert zu bleiben.
13 Gruppen-Brainstorming-Techniken, um kreatives Denken zu fördern
Jetzt kommen wir zum spaßigen Teil! Es macht richtig Freude auszuwählen, welche Brainstorming-Technik(en) Sie für Ihre nächste Sitzung nutzen möchten. Warum? Weil es so viele kreative Methoden gibt, die kreatives Denken und frische Ideen fördern.
Schauen wir uns einige der effektivsten Brainstorming-Techniken und ihre Vorteile für Ihr Team einmal genauer an!
1. Gruppen-Brainstorming
Individuelles und Gruppen-Brainstorming sind eher Arten des Brainstormings, und viele der folgenden Techniken lassen sich in beiden Settings einsetzen. Aber fangen wir zunächst mit diesem bewährten und effektiven Ansatz an, um kreative Ideen zu generieren. Die konkrete Ausgestaltung kann variieren, aber das Konzept ist, dass Sie eine Gruppe oder ein Team in einem gemeinsamen Arbeitsbereich (physisch oder virtuell) haben, die viele verschiedene Ideen sammelt und gemeinsam weiterentwickelt.
Die wichtigste Grundregel hierbei: Es gibt keine schlechten Ideen, solange die Übung läuft. Ziel ist Quantität. Nachdem ausreichend Zeit für eine große Menge an Ideen eingeräumt wurde, geht das Team alle Vorschläge gemeinsam durch und diskutiert sie, um anschließend die vielversprechendsten Richtungen herauszufiltern, damit das Produktteam diese nach der Sitzung weiter ausarbeiten kann.
2. Umgekehrtes Brainstorming
Umgekehrtes Brainstorming ist eine innovative Methode, die häufig bei Ideenworkshops rund um Design-Frameworks eingesetzt wird. Bei diesem Ansatz regt die moderierende Person den kreativen Denkprozess der Gruppe an, indem sie die Gegenfrage stellt.

Zum Beispiel: Wenn Sie Ideen sammeln, um Warenkorbabbrüche in Ihrem Online-Shop zu reduzieren, formulieren Sie die Brainstorming-Frage als: „Was könnten wir tun, um die Anzahl der Nutzer zu erhöhen, die den Kaufvorgang abbrechen?“
Das klingt vielleicht ungewöhnlich, aber probieren Sie es aus – es ist wirklich erstaunlich. Indem Sie Ideen dazu entwickeln, was man nicht machen sollte, eröffnen Sie ganz neue Denkwege. Dies hilft dabei, Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und innovative Lösungen zu finden.
3. Brainwriting
In jeder Gruppenaktivität gibt es Menschen, die schnell und wortgewandt sind und sofort ihre Ideen teilen. Manchmal werden dabei Teammitglieder übertönt, die erst etwas Bedenkzeit benötigen. Brainwriting ist eine einfache Brainstorming-Aktivität, mit der Sie vermeiden, dass immer die lauteste Idee gewinnt – und sie wirkt Gruppendenken entgegen.
Nachdem Ziel und Agenda festgelegt wurden, gibt die Moderation jeder teilnehmenden Person eine bestimmte Zeitspanne, um eigenständig Ideen zu entwickeln und aufzuschreiben. Nach etwa 10 Minuten kommt die Gruppe zusammen, teilt und diskutiert die Vorschläge. So denken alle unabhängig und bekommen dennoch die Möglichkeit, ihre Ideen vorzustellen.
4. Mind Mapping
Mind Mapping ist eine Brainstorming-Übung, bei der meist ein Whiteboard und Klebezettel (physisch oder digital) zum Einsatz kommen. Die Moderation beginnt mit einem allgemeinen Konzept in der Mitte einer visuellen Darstellung und zieht Linien zu verwandten Aufgaben, Gedanken und Konzepten. Das kann wie ein Flussdiagramm oder als beliebige andere Darstellung aufgebaut werden, um Zusammenhänge zwischen Ideen zu verdeutlichen.

Zum Beispiel: Wenn Sie eine Fitness-App haben und Ideen für Community-Features sammeln möchten, könnte Ihr zentrales Thema „Wie eine Community Fitness fördert“ lauten. Von dort aus ziehen Sie Linien zu Aspekten wie „Verbindlichkeit“ oder „Statistiken teilen zur Stärkung des Selbstbewusstseins“.
Mindmaps sind eine nützliche Methode, um die Funktionen Ihres Produkts oder auch beliebige Arbeitsabläufe zu skizzieren. Sie eignen sich aber auch hervorragend, um Gedanken und Ideen visuell miteinander zu verbinden.
5. Starbursting
Stellen Sie sich einen Stern vor, bei dem an jeder Spitze eines der typischen Fragewörter steht: Wer, was, wo, wann, warum und wie. Dieser Stern steht im Mittelpunkt dieser Brainstorming-Methode, bei der Ihr Team detaillierte Fragen zu einem übergeordneten Thema entwickelt.
Zum Beispiel: Wenn Sie für die erwähnte Fitness-Community einen Newsfeed entwickeln möchten, steht der Newsfeed im Zentrum Ihres Sterns. Die ‚Spitzen‘ könnten Fragen enthalten wie: Wie kann unser Newsfeed so spannend sein, dass man gerne darin stöbert? Oder Welchen Mehrwert bietet ein Beitrag im Newsfeed gegenüber einem in sozialen Medien?
Auch wenn es ungewohnt erscheinen mag, eine Liste von Fragen zu erstellen, ist das Ziel von Starbursting, bestehende Produkte oder Funktionen eingehend zu hinterfragen und neue oder zusätzliche Mehrwerte für Ihren Ansatz zu entdecken.
7. Brain-netting
Dies ist ein Favorit von Remote-Teams – und das aus gutem Grund: Es ist eine Brainstorming-Technik, die nicht zwingend in Echtzeit stattfindet. Du nutzt ein digitales Kollaborationstool wie Miro oder FigJam und lässt die Teilnehmer Gedanken und Ideen zu einem bestimmten Thema in ihrem eigenen Tempo notieren (wir empfehlen aber, eine Frist zu setzen!). Danach kannst du die Ideen gemeinsam begutachten und analysieren.
8. SWOT-Analyse
Dies ist eine weitere Methode, bei der du bereits bestehende, kreative Ideen als Ausgangspunkt mitbringst und im Team deren Umsetzbarkeit analysierst. Sozusagen Brainstorming auf Level 2. Für jede Idee erstellst du eine Tabelle und notierst Folgendes:
- Stärken
- Wechselwirkungen/Schwächen
- Opportunitäten
- Threats/Bedrohungen
So nutzt ihr die gesammelten Perspektiven im Team, um eine Liste möglicher Ideen einzugrenzen und konkrete Maßnahmen abzuleiten.
9. Schnelle Ideengenerierung
Hierbei steht Quantität vor Qualität – eine gelungene Session ergibt einfach viele Ideen. Am besten funktioniert das, wenn alle Teilnehmenden mit vielen Klebezetteln ausgestattet werden und innerhalb eines definierten Zeitraums so viele Ideen wie möglich zu einem bestimmten Thema aufschreiben. Nachdem alle ihre Ideen beigesteuert haben, werden in der zweiten Runde die vielversprechenden von den weniger vielversprechenden Ansätzen getrennt und weiterverfolgt.
10. Stepladder-Technik
Dies ist eine weitere großartige Problemlösungstechnik, die die herkömmliche Arbeitsweise von Teams völlig auf den Kopf stellt. Zunächst erhalten alle Teilnehmenden Zeit, um unabhängig Ideen zum Thema zu entwickeln. Dann startet man mit zwei Kernmitgliedern des Teams, die sich austauschen und gegenseitig Feedback geben, um ihre Gedanken und Richtungen zu fokussieren. Nach diesem Gespräch kommt ein weiteres Teammitglied hinzu und der Prozess wird zu dritt wiederholt. Anschließend folgt eine vierte Person usw.
Die Stepladder-Technik kann an einem Tag oder in mehreren aufeinanderfolgenden Meetings genutzt werden. In jedem Fall gilt: Es ist oft einfacher und wirkungsvoller, Einigkeit zu erzielen, wenn nicht gleich alle Stimmen gleichzeitig diskutieren. Jede Gesprächsrunde schärft die Denkweise weiter, sodass am Ende konkrete Maßnahmen beschlossen werden können!
11. Rundlauf-Brainstorming
Mit dieser Methode stellst du sicher, dass jede Person im Team die Gelegenheit hat, eine andere Sichtweise einzubringen. Idealerweise sitzt das Team im Kreis und alle haben Papier oder Klebezettel zur Verfügung. Es wird der Reihe nach vorgegangen und jeder trägt seine Ideen vor. Das ist besonders hilfreich, wenn es introvertierte Teammitglieder gibt, denen es schwerfällt, sich von selbst zu Wort zu melden.

Tipp: Es kann sinnvoll sein, eine Mindestanzahl an Ideen für alle festzulegen und vorab Bedenkzeit einzuräumen, bevor diese im Team geteilt werden.
12. Die SCAMPER-Methode
Manchmal profitiert ein Brainstorming davon, einen strukturierten Rahmen fürs Querdenken zu haben – und SCAMPER ist eine hervorragende Methode dafür. Die Gruppe durchläuft jeden Teil des Akronyms entsprechend der zu lösenden Aufgabe; jeder Schritt fordert dazu auf, das Thema aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Hier ein Überblick über das Akronym:
- Substitute: Wie könnten wir X statt Y tun, um unser Ziel zu erreichen?
- Combine: Was könnten wir zusammenfügen, um ein besseres Erlebnis zu schaffen?
- Adapt: Wie können wir auf die veränderte Situation reagieren, um zusätzlichen Mehrwert zu schaffen?
- Modify: Welchen Teil des Ablaufs könnten wir abändern, um ihn intuitiver zu gestalten?
- Put to another use: Diese Technologie haben wir bereits – welchen weiteren Nutzen könnten wir daraus ziehen, um den Anwendern mehr Mehrwert zu bieten?
- Eliminate: Was können wir weglassen, damit alles einfacher und übersichtlicher wird?
- Rearrange: Was könnten wir in der Reihenfolge ändern, damit die Erfahrung besser dem mentalen Modell des Nutzers entspricht?
SCAMPER ist besonders hilfreich, um neue Funktionen oder umfangreiche UX-Änderungen zu entwickeln.
13. Freies Schreiben
Bei dieser Technik haben alle eine festgelegte Zeit, um ihre Gedanken zu einem bestimmten Thema aufzuschreiben – mit nur einer Regel: Es gibt kein Bearbeiten oder Nachbessern. Es wird alles notiert, was in den Kopf kommt, egal ob einzelne Begriffe oder ganze Absätze. Nachdem alle ihre Gedanken zu Papier gebracht haben, moderiert der Teamleiter die Diskussion. Die Session endet mit einer Liste umsetzbarer Ideen.
Der Hauptwert des Freewritings besteht darin, dass es darauf ausgelegt ist, Menschen dazu zu bringen, sich mehr auf ihre Ideen als auf deren Ausformulierung und Präsentation zu konzentrieren. Es ermöglicht, dass unausgereifte oder noch nicht vollständig durchdachte Ideen ans Licht kommen, was häufig Innovationen zur Folge hat.
Bereit, Ihren Brainstorming-Prozess zu starten?
Nun, da Sie wissen, wie Sie einen effektiven Brainstorming-Prozess moderieren und Ihnen ein vollständiges Menü an unterhaltsamen und zielgerichteten Techniken zur Verfügung steht, ist es Zeit, Ihre erste Session zu planen! Denken Sie an das dringendste Problem oder die wichtigste Aufgabe, mit der Ihr Produktteam aktuell konfrontiert ist, und beginnen Sie mit der Planung.
Abonnieren Sie weitere Einblicke ins Produktmanagement!
Vergessen Sie nicht, unseren Newsletter zu abonnieren, um weitere Ressourcen und Leitfäden zum Produktmanagement sowie die neuesten Podcasts, Interviews und weitere Einblicke von Branchenführern und Experten zu erhalten.
