Jedes Jahr findet die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas statt. Die von der Consumer Technology Association (CTA) organisierte Messe ist berühmt für ihre Produktneuvorstellungen. Für einige ist sie auch für ihre gelegentlich unausgereiften Produkte (Vaporware), wie das Saygus V2 Smartphone und der Ampstrip Fitness-Tracker, die nie über die Ausstellungsstände hinausgekommen sind, bekannt.
Als eine Veranstaltung, die beträchtliche Medienberichterstattung anzieht, geriet die CES auch immer wieder wegen Kontroversen in die Schlagzeilen. Wir blicken auf einige der Schlagzeilen der letzten 10 Jahre zurück, die den Organisatoren der Messe vermutlich ein wenig Unbehagen bereitet haben.
Die Werbeträgerinnen und -träger der CES
Seit ihren Anfängen waren auf der CES immer wieder attraktive Frauen (offiziell als „CES Guides“ bezeichnet, im Allgemeinen aber als „Booth Babes“ bekannt) und in jüngerer Zeit auch gut aussehende junge Männer zu sehen, deren Aufgabe es ist, neben den technischen Wunderwerken zu stehen und ein gutes Bild abzugeben. Ein in The Atlantic veröffentlichter Artikel berichtet, dass diese „Babes“ im Laufe der Jahre „Gegenstand von Kontroversen und Nerd-Fantasien zugleich“ gewesen seien (Quelle).
Die BBC berichtet, dass sich einige Frauen auf der CES 2012 über die spärlich bekleideten „Booth Babes“, die von manchen Unternehmen zum Bewerben ihrer Stände engagiert wurden, frustriert zeigten (Quelle).
Ein Artikel aus dem Jahr 2019 im Telegraph berichtet, dass die CES die „Booth Babes“ schließlich verboten hat. Laut dem Artikel wurde die Richtlinie der CES dahingehend aktualisiert, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Messeständen „keine sexuell aufreizende Kleidung oder Kleidung, die als Unterwäsche interpretiert werden könnte, tragen dürfen“ (Quelle).
Im selben Artikel des Telegraph wird jedoch darauf hingewiesen, dass, auch wenn die Organisatoren darauf bestanden, dass die „Babes“ verbannt wurden, es keine große Detektivarbeit erforderte, um festzustellen, dass „weibliche Models und Tänzerinnen in aufreizender Kleidung weiterhin an vielen Ständen für Produkte warben“ – und das selbst nach dem Verbot (Quelle).

Das CBS-Veto 2013 und der nie verliehene Preis
Im Jahr 2013 entschieden Redakteure von CNET, dem für die Durchführung der „Best of“-Awards im Auftrag der CES zuständigen Unternehmen, dass der Preis an Dishs Hopper with Sling gehen sollte. Das Juristenteam des CNET-Mutterkonzerns CBS war jedoch strikt dagegen. Es lag nicht daran, dass Dishs Hopper with Sling den Preis nicht verdient hätte, sondern vielmehr daran, dass CBS zu dieser Zeit einen laufenden Rechtsstreit gegen Dish führte (Quelle).
Und die Vaporware
Die Technik-Website CNet.com veröffentlichte 2015 einen Artikel über einige Geräte, die auf der Messe dieses Jahres Aufmerksamkeit erregt hatten, nur um dann „von der Bildfläche zu verschwinden“ (Quelle). Beispiele hierfür sind das Saygus V2 Smartphone, der AmpStrip Fitness-Tracker und die Zano-Drohne.
Die Geschichte des versteckten Hoverboards
Laut einem BBC-Bericht erschienen auf der CES 2016 US-Beamte am Messegelände und beschlagnahmten Produkte vom Stand eines chinesischen Hoverboard-Herstellers. Im Zuge der Razzia wurden auch die Schilder der chinesischen Firma Changzhou First International Trade entfernt. Hintergrund war eine Patentrechtsklage der Future Motion Company, eines Konkurrenten der chinesischen Firma mit Sitz im Silicon Valley (Quelle).
Das chinesische Unternehmen wies die Vorwürfe jedoch zurück. Die Firma erklärte, sie habe das Produkt schon vor geraumer Zeit entwickelt und zunächst versteckt gehalten – aus Angst, dass es kopiert werden könnte (Quelle).
Ein Artikel der irischen Zeitung The Irish Times berichtet, dass Future Motion im Jahr 2015 von dem Produkt von Changzhou First International Trade erfuhr, als ein Nutzer das Produkt online veröffentlichte. Als die Manager von Future Motion den chinesischen Lieferanten überprüften, stellten sie fest, dass das chinesische Produkt zu einem Drittel des Preises verkauft wurde, den das US-Unternehmen verlangte (Quelle).
Die Irish Times berichtet, dass nach der „Razzia auf der CES alle Waren und Schilder vom Stand entfernt worden waren. Die Mitarbeiter des chinesischen Unternehmens saßen herum und wussten nicht, was sie als Nächstes tun sollten“ (Quelle).

Eine Lösung für Blitzer- und Rotlichtkameras
Auf der CES 2017 präsentierte ein junger Unternehmer, den die Webseite Planetanalog.com als Liebhaber „von Autos, Amateurfotografie sowie hochwertigem Audio- und Videotechnik“ beschreibt, eine Lösung gegen Blitzer- und Rotlichtkameras (Quelle).
Laut Planetanalog.com sorgt die Technologie dafür, dass „der Bereich des Kennzeichens auf dem Bild zu hell für den Sensor der Rotlichtkamera wird“ (Quelle).
Manche Leser lehnen diese Technologie kategorisch ab: „Nur ein Narr (oder noch schlimmer) würde behaupten, dass das Überfahren roter Ampeln nicht gefährlich ist.“ Andere zeigen Zustimmung: „Ich habe davon geträumt, genau so ein Gerät zu entwickeln, und ich applaudiere den Designern“ (Quelle).
Eine reine Männerbesetzung – und einmal Ivanka Trump
Für Forbes schreibt Carolina Milanesi, dass die CES-Konferenz Frauen systematisch an den Rand drängt. „CES hat im Laufe der Jahre keine gute Bilanz, was Frauen angeht, die auf der Hauptbühne Keynotes halten. Sowohl 2017 als auch 2018 gab es bei den Keynote-Rednern auf der Hauptbühne keine einzige Frau“, schreibt sie (Quelle).
Milanesi erklärt, dass die CTA erst nach heftigem Gegenwind 2018 weibliche Keynote-Sprecherinnen ins Programm nahm. Bei der CES 2020 war als eine der Keynote-Rednerinnen niemand Geringeres als Ivanka Trump auf der Bühne. Milanesi meint, Trump sei eine „Alibi-Frau“ gewesen, die die CTA eingeladen habe, um die Mächtigen in Washington zu besänftigen (Quelle).
Der „unmoralische“ und „obszöne“ Robotik-Vibrator
Als Lora DiCarlo in Zusammenarbeit mit der Robotik-Abteilung der Oregon State University auf der CES 2019 einen Robotik-Vibrator für Frauen präsentierte, waren die Juroren zunächst der Meinung, dass das Gerät den CES-Innovationspreis in der Kategorie Robotik erhalten sollte. Dieselben Juroren zogen ihn später zurück. Was war passiert? Die CTA entschied, dass das Gerät „unmoralisch“ und „obszön“ sei (Quelle).

Der Cannabis-Streit
Auf der CES 2020 wollte das kanadische Cannabis-Technologie-Unternehmen Keep Labs ein intelligentes Cannabis-Aufbewahrungsgerät ausstellen, das einen Innovationspreis gewonnen hatte. Die Veranstalter wiesen Keep Labs jedoch darauf hin, das Produkt nur auszustellen, wenn jeglicher Bezug zu Cannabis weggelassen würde. Zudem wurde verlangt, dass das Produkt vor Ort nicht benutzt werden dürfe. Das Unternehmen durfte das Produkt nur als Aufbewahrungsvorrichtung präsentieren. Aufgrund der strikten Richtlinien der CTA entschied sich Keep Labs, nicht an der Veranstaltung teilzunehmen (Quelle).
Die CTA erklärte dazu: „Marihuana ist auf Bundesebene und in öffentlichen Parks und Hotels im Bundesstaat Nevada illegal. Keep Labs konnte ausstellen unter der Voraussetzung, das Produkt als Haushalts- oder Aufbewahrungsgerät zu präsentieren — die Kategorie, für die sie den Innovationspreis eingereicht hatten“ (Quelle).
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