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Es gibt Millionen von Apps da draußen. Viele sind sehr erfolgreich, aber die meisten nicht. Welche Schritte gehen erfolgreiche App-Entwickler, die sie von den weniger erfolgreichen unterscheiden? Außerdem haben viele Menschen eine Idee für eine App, wissen aber nicht, wie sie anfangen sollen. Welche Schritte muss man unternehmen, um eine erfolgreiche App zu erstellen? Im Rahmen dieser Serie hatte ich das Vergnügen, Nenad Milanovic zu interviewen. 

Nenad Milanovic ist CEO und Gründer von Clockify – dem weltweit beliebtesten Zeiterfassungstool. Neben dem von Millionen genutzten Zeiterfassungstool haben Milanovic und sein Team zwei weitere Apps entwickelt – eine Team-Chat-App namens Pumble und ein Projektmanagement-Tool namens Plaky. Von klein auf fasziniert von Technologie, studierte Milanovic Informationswissenschaften. Heute widmet er den Großteil seiner Aufmerksamkeit der Entwicklung von Tools, die den Arbeitsablauf von Menschen auf der ganzen Welt verbessern können.

Vielen Dank, dass Sie heute dabei sind! Bevor wir ins Detail gehen, möchten unsere Leser Sie ein wenig besser kennenlernen. Können Sie uns etwas über Ihren Werdegang und Ihr Aufwachsen erzählen?

Meine Geschichte begann viele Kilometer entfernt von dem Ort, an dem ich jetzt lebe. Ich wurde in Kroatien geboren, zog aber mit fünf Jahren nach Serbien. 

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Die Zeit, in der ich aufgewachsen bin, war von Unsicherheit geprägt. Ich habe Konflikte, Inflation, Armut und allgemeine Verwirrung miterlebt – all das hat meine Sicht auf das Leben und das Geschäftsleben stark beeinflusst. Mir wurde schnell klar, dass ich sehr genau überlegen musste, wo und wie ich meine Energie investiere. 

Irgendwann um 2005 entschied ich mich, Informationswissenschaften zu studieren. Damals war das Studium der Informationstechnologie in Serbien wie das Betreten von Neuland – niemand wusste so recht, ob sich der Aufwand am Ende wirklich lohnen würde. Aber ich denke, meine tief verwurzelte Leidenschaft für technische Entwicklungen hat mich am Laufen gehalten.

In den folgenden Jahren war ich eine Zeit lang in den USA tätig und arbeitete dort im Bereich Webentwicklung. 2009 gründete ich dann ein Beratungsunternehmen. Obwohl ich im Herzen wusste, dass meine Bestimmung im Aufbau von Produkten liegt, war mir auch klar, dass ich mir Zeit nehmen musste. Schließlich war die Beratung unsere einzige Einnahmequelle, die uns irgendwann zur Produktentwicklung führen konnte. Also gab ich das Consultinggeschäft nie auf und verbrachte fast ein Jahrzehnt damit, zwischen Produktentwicklung und dem Scheitern dieser Produkte hin und her zu pendeln. 

Dann, mit etwas Glück, viel Arbeit und Ausdauer, haben wir 2017 Clockify auf den Markt gebracht – und hier stehen wir heute.

Die meisten von uns gibt es schon länger als Apps. Was waren Ihre Hobbys und Interessen in Ihrer Jugend, als noch niemand wusste, was eine „App“ ist?

Ich war tatsächlich immer sehr technologiebegeistert. Ich könnte keinen genauen Moment festmachen, an dem aus diesem Interesse ein Hobby wurde, aber ich erinnere mich an ein Ereignis, das im Nachhinein wie ein Wendepunkt aussieht.

Meine Freunde und ich waren etwa 15 Jahre alt, und wir hatten genug davon, Spiele über das langsame Modem-Internet zu spielen. Damals war schnelles Internet extrem selten, von einer kabellosen Verbindung ganz zu schweigen. Also habe ich eine Omni-Antenne auf meinem Dach installiert, und dieses kleine Experiment hat tatsächlich funktioniert. Kurz darauf nutzten wir alle das Signal, um Dateien auszutauschen und Spiele zu spielen.

Man kann also sagen, dass das Basteln an Technik mein Hobby war, lange bevor ich wusste, dass Softwareentwicklung einmal meine Berufung wird. 

Es heißt, unsere Fehler sind unsere größten Lehrer. Können Sie uns eine Geschichte über den lustigsten Fehler erzählen, den Sie zu Beginn gemacht haben? Was haben Sie daraus gelernt?

Als wir noch mitten im Softwareentwicklungs-Consulting steckten, waren wir immer auf der Suche nach neuen Projekten. Aber wenn man für andere arbeitet, steht man immer ganz unten in der Nahrungskette. Deshalb war uns klar: Wir mussten ein eigenes Produkt herausbringen, wenn wir weiterkommen wollten. 

Irgendwann dachten wir, wir hätten endlich das große Los gezogen. Kurz gesagt: Es gab Änderungen bei den Rundfunkvorschriften in Serbien und Radiostationen brauchten eine Lösung, um ihr Signal weiterhin ausstrahlen und den neuen Vorgaben entsprechen zu können. 

Da kamen wir ins Spiel – mit unserem allerersten Produkt. 

Wir bauten ein Gerät zur Übertragung von Radiosignalen und verkauften es an viele Radiostationen auf dem Balkan. Alles funktionierte einwandfrei – bis zu dem Punkt, an dem es nicht mehr weiterging. Und nicht, weil das Gerät fehlerhaft war. Das Problem war: Wir hatten ein Produkt für einen sehr begrenzten Markt gebaut, und noch dazu funktionierte es perfekt. Es musste nie repariert oder weiterentwickelt werden, und nachdem wir es an alle verkauft hatten, die es benötigten, war Schluss. Im Nachhinein also ein Witz auf unsere eigenen Kosten. Vielleicht hätten wir ein fehlerhaftes Gerät produzieren sollen.

Witze beiseite: Dieses Projekt war für uns alle eine wertvolle Lektion. Obwohl das Gerät ein Einbahnstraße war, haben wir direkt am Anfang begriffen, dass es wichtig ist, den Fokus auf die nachhaltige Entwicklung unseres Geschäfts zu legen. 

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Mir begegnen oft zwei Typen von App-Entwicklern: Diejenigen, die für App-Entwicklung und Technik brennen, und diejenigen, die eine App entwickelt haben, um ein Problem zu lösen. Zu welcher Gruppe zählen Sie sich selbst – und warum?

Obwohl mich Technik schon immer begeistert hat, ist Praktikabilität wichtiger als Leidenschaft. Man kann nicht einfach seinen Instinkten folgen, wenn man dadurch sein ganzes Kapital aufs Spiel setzt. Ich zähle mich deshalb eher zu denjenigen, die Probleme lösen möchten – und das hat uns zu Clockify geführt.

Anders gesagt: Die Entwicklung eines Zeiterfassungstools war kein bloßer Spleen von uns. Clockify war tatsächlich die praktische Lösung für ein Problem, das wir zu jener Zeit selbst hatten. 

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir keine Projekte in Arbeit. Dann, fast wie aus dem Nichts, bekamen wir eine E-Mail mit der Ankündigung, dass unser bisher genutzter Zeitertracker bald teurer werden würde. Mit Zeit auf unserer Seite und dem fehlenden Willen, zu viel zu zahlen, machten wir uns daran, unser eigenes Zeiterfassungstool zu entwickeln. 

Allerdings dachten wir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht daran, die App zu veröffentlichen. Ursprünglich verfolgten wir nur ein Ziel – unserem Team einen zuverlässigen Zeitertracker zur Verfügung zu stellen, der all unsere Anforderungen erfüllte. Nachdem wir dann erkannten, dass andere Teams womöglich dieselben Probleme hatten, wussten wir, dass es Zeit war, Clockify mit der Welt zu teilen.

Ich denke, der Grundgedanke hinter Clockify und die daraus resultierenden Folgen haben meine Zugehörigkeit zum Team der Problemlöser noch weiter gestärkt. Wir wollten ursprünglich nur für uns selbst einen Zeiterfasser bauen, und er wurde nach seinem Release praktisch über Nacht ein voller Erfolg – einfach deshalb, weil wir unsere eigenen Schwierigkeiten mit unserem bisherigen Tool zum Ausgangspunkt gemacht haben. 

Unternehmertum ist ein Marathon, kein Sprint – wobei ich manchmal glaube, es ist beides zugleich. Was hat Sie motiviert, Ihr erstes Minimal funktionsfähiges Produkt zu entwickeln, und wie haben Sie seither Ihr Tempo gehalten?

Von Anfang an hatten wir das Ziel, Produkte zu entwickeln, aber ich wusste, dass wir nicht um jeden Preis ohne Plan die Beratung aufgeben sollten. 

Also investierten wir Ressourcen in Produkteinführungen, die zu nichts führten, und gingen danach wieder zurück zur Beratung. Das zog sich fast zehn Jahre hin – ich muss also zustimmen: Mein unternehmerischer Weg war definitiv ein Marathon.

Aber das klare Ziel vor Augen hielt mich auf Kurs. Ich wusste: Mit etwas anderem als unserem eigenen Produkt sollten wir uns nicht zufriedengeben, also versuchte ich es immer wieder, ohne nachzulassen. 

Immer wenn ein Produktstart nicht wie geplant verlief und wir enttäuscht waren, schien es wirklich, als stünden wir kurz davor, aufzugeben. Aber das hielt nie lange an. Schnell war ich wieder dabei, es erneut zu versuchen – immer und immer wieder. 

Bis Clockify kam. 

Kaum war Clockify öffentlich verfügbar, ging es steil bergauf. Die App hatte innerhalb von nur fünf Tagen über 17.000 Nutzer. 

Trotzdem wusste ich, dass wir uns davon nicht blenden lassen durften. Einen kompletten Ausstieg aus der Beratung zogen wir erst in Betracht, nachdem wir eine gründliche Marktanalyse durchgeführt und für einen stabilen Cashflow gesorgt hatten. 

Um unser Tempo zu halten, behielten wir stets die Marktentwicklung im Auge, wuchsen bewusst mit unserem Team und gaben unseren Nutzern Spielraum, um ihre Wünsche zu äußern. Wir mussten alles langsam angehen, besonders da wir komplett eigenfinanziert waren und kein Geld zum Verschleudern hatten. Aber dieses bedachte Vorgehen hat sich langfristig ausgezahlt. 

Mir ist klar, dass es im Geschäftsleben keine sichere Wette gibt. Was bei uns funktioniert hat, ist nicht zwingend die Universallösung für jedes Unternehmen. Aber indem wir uns jeweils nur auf eine Sache konzentrierten und unsere Entscheidungen auf den echten Bedürfnissen der Kunden basierten, haben wir keine Energie in Nebenmissionen verschwendet. Und wenn man so wertvoll in eine Geschäftsidee investiert, möchte man natürlich auch eine entsprechende Rendite sehen.

Können Sie uns etwas über Ihre App erzählen? Wie hilft sie den Menschen? Was macht sie Ihrer Meinung nach besonders? Worauf sind Sie am meisten stolz?

Im Grunde genommen ist Clockify ein Tool, das aus dem echten Bedürfnis entstanden ist, unsere Produktivität im Blick zu behalten. Wir hatten es satt, jeden Monat eine beachtliche Summe zu zahlen, nur um mit einer App zu enden, die gar nicht alle unsere Wünsche abdeckte. Wir wussten, dass wir von einem unkomplizierten Tool profitieren – eines, das nicht noch einmal Zeitaufwand erfordert, nur um überhaupt nachvollziehen zu können, wie wir unsere Zeit verbringen.

Clockify war also von Anfang an als einfache Lösung für ein Teamproblem in puncto Zeiterfassung gedacht. Am Anfang war dieses Team wir selbst. Doch mit der Zeit erkannten wir, dass unser Zeiterfassungstool auch bei jedem anderen funktionieren könnte. So vergrößerte sich die Zahl der Nutzerteams stetig. 

Vielleicht wirkt es auf den ersten Blick so, als hätte unser Tool nur deshalb so großen Zulauf bekommen, weil die Kernfunktionen komplett kostenlos sind. Aber sein Erfolg hängt auch mit Ehrlichkeit zusammen. Ganz gleich, wie groß ein Team ist: Das Zeiterfassen in Clockify gibt es ohne versteckte Kosten.

Da Clockify ursprünglich mit echten Usern im Kopf entwickelt wurde, hat es schnell Millionen von Nutzern weltweit angezogen. Mit großen Nutzerzahlen kamen natürlich auch immer mehr Wünsche nach neuen Features, und wir legten großen Wert auf ein außergewöhnliches Kundenerlebnis. 

Bei Clockify stehen die Nutzer an erster Stelle. Wir legen größten Wert auf schnellen und effizienten Service, und hier kommt unser Kundensupport ins Spiel. Besonders stolz bin ich auf unsere User-Zufriedenheitsrate von 96,6 %, die wir nie erreicht hätten, wenn wir all unsere Aufmerksamkeit nur aufs Produkt gelegt hätten. 

Kein Nutzer hat eine mittelmäßige Erfahrung verdient, besonders nicht, wenn er Ihnen etwas so Wertvolles wie seine Zeit anvertraut. Diese Erkenntnis hatten wir sehr früh. Sie können das revolutionärste Produkt der Welt haben – wenn Sie aber nicht bei jeder Interaktion mit Herzblut dabei sind und Ihre Kunden sich nicht wirklich gehört fühlen, riskieren Sie einen Flop. 

Wie viele Nutzer oder Abonnenten hat Ihre App aktuell ungefähr? Können Sie unseren Lesern drei Hauptmaßnahmen nennen, mit denen Sie eine so große Community aufgebaut haben?

Im Moment haben wir etwa 5 Millionen Nutzer, mit mehr als 130.000 neuen Registrierungen pro Monat.

Um das zu erreichen, mussten wir sämtliche Aufs und Abs durchstehen, die mit unserer Gründung als Beratungsunternehmen einhergingen. Und ich muss sagen: Das war mit vielen Schritten vor und zurück verbunden. Wenn ich unsere bisherige Reise auf drei wesentliche Schritte zusammenfassen würde, wären das vermutlich folgende:

  1. Eine Marktlücke schließen – Obwohl wir Clockify zunächst für den internen Gebrauch entwickelt haben, orientierten wir uns dabei an den Funktionen und Optionen, die der damals von uns verwendeten App fehlten. Wir haben analysiert, was andere Zeiterfassungstools nicht bieten, und ein prägnantes Set an Anfangsfunktionen entwickelt. Auch wenn dies nur die grundlegenden Bausteine waren, hat uns dieser Ansatz die Marktlücke schließen lassen. Anstatt zu versuchen, das nächste große Ding zu erfinden, haben wir uns auf das Bestehende konzentriert und darauf aufgebaut. 
  2. Auf die Nutzer hören – In neun von zehn Fällen sind es Ihre Kunden, die Ihnen ganz genau sagen, was der nächste Schritt sein sollte. Man muss ihnen nur den Raum geben, ihre Meinung zu teilen. Deshalb achten wir immer darauf, das Feedback unserer Nutzer zu hören, ihre Wünsche genau zu identifizieren und alles in unserer Macht Stehende zu tun, um ihnen gerecht zu werden. Sie können dem Wettbewerb nur einen Schritt voraus sein, wenn Sie die wirklichen Bedürfnisse Ihrer Kunden ernst nehmen. 
  3. Unsere Marke an Wert ausrichten – Den Nutzern die Kontrolle über ihre Zeit zurückzugeben, schafft schon für sich genommen einen Mehrwert. Wenn man darüber hinaus Wert auf Content-Marketing legt, spricht man seine Kunden direkt an und stellt beständiges Wachstum sicher. Bewusst Maßnahmen zu ergreifen, um den Nutzern über das Produkt hinaus echten Mehrwert zu bieten, führt dazu, dass unsere Marke mit Vertrauen und Zuverlässigkeit verbunden wird.  

Was ist Ihr Monetarisierungsmodell? Wie monetarisieren Sie Ihre Community von Nutzern? Haben Sie andere Monetarisierungsoptionen in Betracht gezogen? Warum haben Sie sich dagegen entschieden? 

Die Kernfunktionen von Clockify sind komplett kostenlos. Unabhängig davon, wie viele Nutzer Sie einladen oder wie lange Sie die App nutzen möchten, die grundlegenden Funktionalitäten bleiben immer kostenlos. 

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Zusatzfunktionen, die mit verschiedenen kostenpflichtigen Plänen kommen. Möchte ein Nutzer die Funktionalitäten von Clockify erweitern, kann er auf eine der kostenpflichtigen Versionen upgraden. 

Wir haben uns frühzeitig entschieden, die Basisfunktionen von Clockify für immer kostenlos zu lassen. Damit das machbar bleibt und wir trotzdem profitabel bleiben können, haben wir kostenpflichtige Pläne für die Kunden eingeführt, die einfach mehr als nur Zeiterfassung benötigen. 

Unsere Grundidee war von Anfang an, dass man nicht viel Geld ausgeben muss, nur um seine Zeit zu erfassen. Diese Grundhaltung bleibt erhalten, indem wir konsequent an unserer anfänglichen Monetarisierungsstrategie festhalten. 

Können Sie unseren Lesern von der unkonventionellsten Taktik erzählen, die Sie verwendet haben, um ein Produkt zu testen, zu vermarkten oder Feedback einzuholen? Was haben Sie ausprobiert, was war daran einzigartig und was war das Ergebnis?

Um ehrlich zu sein, haben wir – außer das Produkt für unsere eigenen Bedürfnisse zu entwickeln und es intern zu testen – nichts wirklich Außergewöhnliches gemacht. 

Allerdings hat uns allein die Tatsache, dass wir die Erstanwender der App waren, geholfen, alle Schwachstellen sofort zu erkennen. Wir mussten nicht erst bis zum Release warten, um herauszufinden, was fehlt. Zumal wir anfangs gar nicht geplant hatten, Clockify öffentlich anzubieten. 

Mit der Zeit, als wir Clockify dann doch veröffentlicht haben, benötigten wir jedoch sowohl Nutzer- als auch Marktfeedback. Externe Rückmeldungen sind notwendig, damit man weiß, wohin man steuern sollte. Das ist besonders wichtig, wenn man sein Produkt perfektionieren und das Geschäft profitabel halten möchte. Anfangs hat uns allerdings die eigene Nutzung des Tools gereicht, um alle kritischen Punkte zu erfassen und zu lösen. 

Welche Strategien haben Sie eingesetzt, um Ihre Produkte zu verbessern und deren Erfolg weiter auszubauen?

Finde die Erfolgsformel und bleibe ihr treu fasst unsere Kernstrategie zusammen. Das ist uns schon seit dem Moment klar geworden, in dem uns der Erfolg von Clockify überrascht hat. 

Das mag auf den ersten Blick so offensichtlich klingen, dass es manchen fast zu simpel erscheint. Doch genau diese Strategie haben wir mit Pumble und später auch mit Plaky wiederholt. 

Ausgehend von den Bedürfnissen unseres Remote-Teams haben wir eine Team-Chat-App und eine Projektmanagement-Plattform entwickelt, sie als Erste genutzt und getestet, und dann in die Welt hinausgetragen. Auch hier wieder: mit dauerhaft kostenlosen Kernfunktionen, genauso wie bei Clockify. 

Um unsere Tools schließlich weiter zu optimieren, haben wir uns voll auf das Feedback unserer Nutzer konzentriert. Es ist wirklich egal, wie gut Ihr Produkt ist, wenn Sie die Stimme Ihrer Kunden ignorieren. Letztlich sind sie es, die entscheiden, ob eine Idee ein Erfolg wird oder nicht. 

Vielen Dank. Hier ist die Kernfrage unseres Interviews. Basierend auf Ihren Erfahrungen und Ihrem Erfolg – was sind die fünf wichtigsten Dinge, die man wissen sollte, um eine sehr erfolgreiche App zu entwickeln? Wenn möglich, teilen Sie bitte zu jedem Punkt eine Geschichte oder ein Beispiel. 

  1. Stellen Sie Nachhaltigkeit über Innovation. Wie gerne hätte ich diesen Punkt früher gewusst. Vielleicht hätte mir diese Erkenntnis geholfen, einige Umwege zu umgehen und schneller an den heutigen Punkt zu gelangen. Ständige Innovation um jeden Preis bringt meist nicht viel. So haben wir es mit dem Radio-Station-Gerät versucht und sind damit gescheitert. Erst als wir uns entschieden haben, das Bestehende zu verbessern und die erkannten Schwachstellen gezielt zu nutzen, haben wir eine Marktlücke entdeckt. Letztlich war es genau das, wodurch sich unsere App abgehoben hat. 
  1. Frühzeitig veröffentlichen. Egal, ob Sie kurz davor sind, eine neue Funktion herauszubringen oder eine komplett neue App zu starten – frühzeitig zu veröffentlichen, sollte Ihr Ziel sein. Es klingt einschüchternd, aber egal wie lange Sie es hinauszögern, Sie werden nie vollkommen bereit sein. Früher oder später müssen Sie Ihre App veröffentlichen. In dem Moment, in dem Sie es tun, sind Sie dem Erfolg einen Schritt näher – denn Sie erhalten wertvolles Feedback und können Ihre weiteren Maßnahmen daran ausrichten.
  2. Optimieren Sie nicht zu früh. Es gibt keinen Grund, Ihre Energie darauf zu verwenden, eine App zu entwickeln, die bereits am ersten Tag Hunderttausende von Nutzern bewältigen kann. Dies steht im Zusammenhang mit dem frühzeitigen Veröffentlichen. Wenn Sie den Launch hinauszögern, weil Sie in vorzeitiger Optimierung gefangen sind, entgeht Ihnen erneut der Zugang zu wichtigen Kennzahlen, die Ihnen helfen, Ihren Nutzern genau das Werkzeug zu bieten, das sie benötigen. Verabschieden Sie sich von vorzeitiger Optimierung. Was zu Beginn zählt, ist, dass Sie genau wissen, was zu tun ist, wenn es Zeit wird, Ihre App zu skalieren. 
  3. Messen und verfolgen Sie alles. Achten Sie auf Ihre Analysen. Wenn Sie Leistungs- und Interaktionsmetriken nicht im Blick behalten, werden Sie den entscheidenden Moment zur Optimierung Ihres Tools verpassen. 
  4. Investieren Sie in die Bedürfnisse Ihrer Nutzer. Finden Sie heraus, wovon Ihre Nutzer am meisten profitieren würden, und investieren Sie genau dort. Sammeln Sie Nutzerfeedback, führen Sie Marktforschung durch und achten Sie auf Ihre eigenen Analysen. Die gewonnenen Informationen helfen Ihnen, Ihre Energie und Ressourcen darauf zu konzentrieren, die Erwartungen Ihrer Kunden zu erfüllen und letztendlich eine loyale Kundenbasis aufzubauen. 

Wenn Sie eine Bewegung starten könnten, die den meisten Menschen am meisten Gutes bringen würde, welche wäre das?

Auch wenn es herausfordernd klingt, eine einzige Idee zu finden, die einer großen Anzahl von Menschen hilft, ist es ein guter Ausgangspunkt zu handeln, indem man davon ausgeht, dass alle Leben gleich viel wert sind. 

Auf diesem Grundsatz haben wir unser Team aufgebaut und diesem sind wir voll und ganz verpflichtet. 

Und auch wenn wir vielleicht keine eigene Bewegung ins Leben rufen können, haben wir unsere Energie darauf verwendet, eine Vielzahl von Bildungs- und humanitären Projekten über unsere COING Foundation zu unterstützen. 

Wir alle sind individuell dafür verantwortlich, eine bessere Gesellschaft zu schaffen. Aber ich bin der Meinung, dass Unternehmen den ersten Schritt machen und sich aktiv dafür einsetzen sollten, einen nachhaltigen positiven Wandel zu bewirken. 

Zumindest versuchen wir das. Wir versuchen, unseren Werten gerecht zu werden, indem wir unsere Präsenz nutzen, um Inklusion und Vielfalt zu fördern und gesellschaftliche Themen offen anzusprechen. 

Dennoch, um wirklich einen Unterschied zu machen, müssen mehr Unternehmen öffentlich Stellung beziehen und ihren Einfluss für größere Anliegen einsetzen. Je eher wir anfangen, andere zu stärken und Vielfalt zu leben, desto schneller können wir das Beste für die meisten Menschen bewirken. 

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