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Wenn Sie in letzter Zeit auf LinkedIn geschaut haben, sind Ihnen wahrscheinlich die folgenden Titel mehrmals begegnet:

  • Platform Product Manager
  • Product Manager, Platform Experience
  • Product Manager, Application Services
  • Product Manager, Developer Experience
  • Technical Platform Product Manager
  • Technical Product Manager, Platform

Klingt vertraut? Beim Lesen der Stellenausschreibungen sind Ihnen sicher auch Formulierungen wie „hat Erfahrung im Aufbau grundlegender Plattformfähigkeiten“ oder „verfügt über ein hohes Maß an Empathie für Entwickler“ begegnet. Vielleicht sogar der Klassiker: „Diese Rolle soll interne Silos aufbrechen.“

Wenn Sie den Großteil Ihrer Karriere im Produktmanagement an kundenorientierten Produkten gearbeitet haben, ist dies vielleicht eine Abkehr von Ihrer Komfortzone, in der Sie sich hauptsächlich auf externe Kundenbedürfnisse konzentriert haben. Aber was, wenn ich Ihnen sage, dass eine der gefragtesten Rollen im Produktmanagement derzeit diejenige ist, die das eigene Unternehmen als Kunden betrachtet und die internen Produktentwicklungsteams als Endanwender? 

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Vorstellung des Platform Product Managements. So finden Sie heraus, ob es das Richtige für Sie ist.

Was ist eine Plattformstrategie?
(und warum nutzen Unternehmen sie?)

Moment mal. Was ist eigentlich eine „Plattform“-Strategie? Bevor wir tiefer einsteigen, nehmen wir uns einen Moment und definieren die Plattformstrategie, die auch als „Platform Services“, „Application Services“, „Platform as a Service“ oder „PaaS“ usw. bezeichnet wird.

AJ Olson ist Produktleiter und Plattformexperte mit Erfahrung bei Cision, Valassis, PayPal und anderen Unternehmen. Er beschreibt die Plattformstrategie als den Aufbau von Diensten, die von vielen Produktteams wiederverwendet werden können, um Duplizierungen zu vermeiden und die Effizienz zu steigern.

Dieser Ansatz eignet sich besonders gut für Unternehmen mit mehreren Produkten, die von vielen Produktliefer- oder Projektmanagementteams betreut werden.

In Unternehmen mit mehreren Produkten sind die einzelnen Produktteams oft dabei, ähnliche Probleme zu lösen und ähnliche – manchmal sogar identische – Services zu erstellen. Der Aufbau gemeinsamer, wiederverwendbarer Dienstleistungen verhindert diese Doppelarbeit und Ineffizienz.

- AJ Olson

Die Plattformstrategie ist aktuell ein wachsender Trend unter Technologieunternehmen, da viele Organisationen den Punkt erreicht haben, an dem sie zu groß und zu stark in Silos unterteilt sind, um ihre Abläufe noch effizient skalieren zu können. 

Plattfomdienste reduzieren diese Komplexität – und noch wichtiger, die Markteinführungszeit – indem sie Produktteams ermöglichen, fertige Lösungen zusammenzusetzen, anstatt das Rad immer wieder neu zu erfinden.

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„Letztlich beschleunigt das – wenn gut umgesetzt – die Entwicklung und ermöglicht es, sich stärker auf die Funktionen zu konzentrieren, die das eigene Produkt wirklich differenzieren“, ergänzt Olson. 

Beispiele für Plattformdienste sind APIs, Integrationen, Betriebssysteme, Designsysteme, Cloud-Services, Speicher, Architektur und andere serviceorientierte Lösungsprodukte. Viele Unternehmen haben eine Plattformstrategie bereits erfolgreich umgesetzt, darunter Amazon, Spotify, Ford, Adobe, Salesforce und Microsoft.

Amazon ist wahrscheinlich das bekannteste Beispiel, illustriert durch das berühmte „API-Mandat“, das Jeff Bezos 2002 erließ. Dieses Mandat bedeutete, dass alle Teams ihre Daten und Funktionalitäten ausschließlich über Service-Schnittstellen bereitstellen mussten.

Dieses Mandat ebnete im Grunde den Weg für Amazon Web Services und bildete einen Großteil der heutigen Best Practices rund um APIs und Microservices.

Während Amazon einer der Vorreiter bei der Monetarisierung von Produktplattformen ist, setzen viele Unternehmen Produktplattformen gezielt ein, um die Nutzererfahrung und die Markteinführungszeit zu verbessern. Zu diesen Unternehmen gehören beispielsweise Adobe und Netflix.

Moment, sollte mein Unternehmen eine Plattformproduktstrategie verfolgen?

Bei all dem Hype rund um Produktplattformen fragt man sich, warum nicht jedes Unternehmen im Silicon Valley diesen Trend mitmacht. Auch wenn manche Unternehmen enorm vom Einsatz einer Plattformstrategie profitieren können, ist sie nicht für alle geeignet.

Fragen der Komplexität, Effizienz und Redundanz treten mit zunehmender Unternehmensgröße deutlicher zutage. Daher eignet sich der Plattformansatz am besten für etablierte Unternehmen und weniger für kleine Unternehmen oder Start-ups.

Als Faustregel nennt Olson, dass Unternehmen nur dann eine Plattformstrategie in Betracht ziehen sollten, wenn mindestens eine der folgenden drei Bedingungen erfüllt ist:

  1. Es gibt mehrere Produkte, die auf gemeinsamen, zugrunde liegenden Funktionen basieren.
  2. Die zunehmende Komplexität wird zum Nachteil.
  3. Die Organisation verfolgt eine kohärente und stabile Produktstrategie und ist bereit, für langfristige Vorteile zu investieren.

Unternehmen werden nicht sofort von den Vorteilen profitieren; der Aufbau von Plattform- und Anwendungs-Services erfordert Zeit, Aufwand und Koordination. Sind diese jedoch erst einmal etabliert, ermöglichen sie es allen Produktteams, schneller und effizienter zu arbeiten.

Bei der Entscheidung, ob eine Produktplattform-Strategie verfolgt werden soll, müssen Unternehmen die Vorteile gegen die Nachteile abwägen. Kleine Unternehmen profitieren beispielsweise meist wenig von Produktplattformen, da ihre Komplexität noch gering ist und sie einen großen Bedarf haben, schnell am Markt zu sein.

Mit wachsender Reichweite und Komplexität eines Unternehmens – sei es durch Zukäufe oder organisches Wachstum – steigt der Bedarf an einer Produktplattform. Olson erklärt, dass selbst unter den idealsten Umständen eine Produktplattform-Strategie eine Verpflichtung ist.

Selbst die am besten begründete und durchdachte Strategie wird scheitern, wenn sie nicht die richtige Unterstützung und genügend Raum für Erfolg bekommt.
Unternehmen müssen erkennen, dass die Entscheidung für eine Produktplattform eine Investition ist und einige Zeit braucht, bis sie Früchte trägt.

- aj olson

Was ist Plattform-Produktmanagement und wie unterscheidet es sich vom traditionellen Produktmanagement?

Nachdem wir die Plattform-/Anwendungsstrategie definiert und geklärt haben, wann sie eingesetzt werden sollte, widmen wir uns nun dem Plattform-Produktmanagement.

Laut Product Plan ist „ein Platform Product Manager (PM) ... verantwortlich für die Priorisierung und Unterstützung der Arbeit mehrerer kundenorientierter Produkte und die Bereitstellung einer kohärenten Vision im gesamten Unternehmen.“

Product Plan ergänzt: „Unabhängig davon, was Plattform-PMs entwickeln, es wird in der Regel von vielen Teams und Kunden genutzt.“

Zusammengefasst arbeitet ein Platform Product Manager über viele Stakeholder-Gruppen hinweg, um Services zu entwickeln, die vielen Teilen eines Unternehmens zugutekommen. Doch wie unterscheidet sich dies vom klassischen Produktmanagement?

Während sich das klassische Produktmanagement meist um ein, oft kundenorientiertes Produkt herum organisiert, richtet sich das Plattform-Produktmanagement nach den Bedürfnissen mehrerer Produktentwicklungsteams, um Effizienz und Markteinführungszeit zu verbessern. Daher werden die Anwendungsfälle für die von Plattform-Produktmanagern gelieferten Services häufig mit Blick auf Entwickler formuliert.

Plattform-Produktmanager haben interne „Kunden“ ihrer Services, im Unterschied zu externen Kunden oder Endanwendern. Diese internen Kunden sind meist die Produktentwicklungsteams, die verschiedene kundenorientierte Produkte unterstützen. Aus diesem Grund muss der Plattform-Produktmanager eine sehr kooperative Rolle spielen.

Da Plattform-Produktmanager oft hoch technische, interne Produkte unterstützen, ist häufig auch mehr technisches Know-how erforderlich. Die wichtigste Fähigkeit, die angehende Plattform-Produktmanager entwickeln sollten, ist jedoch ein systemisches Denkvermögen. Dies erlaubt es ihnen, das große Ganze im Blick zu behalten, anstatt sich jeweils nur auf ein einziges Produkt zu konzentrieren.

Aufgrund der hohen Komplexität und Herausforderung dieser Position gehören Plattform-Produktmanager üblicherweise zu den erfahreneren Teammitgliedern innerhalb einer Organisation.

Vielleicht ist die wichtigste [Fähigkeit] die Fähigkeit, systemisch über mehrere Produkte hinweg zu denken und außergewöhnlich gut darin zu sein, gemeinsame Muster zu erkennen. So lassen sich zentrale Bedürfnisse identifizieren, priorisieren und wirksam umsetzen.

aj olson

Dieser Ansatz erfordert häufig ein Umdenken im Vergleich zum traditionellen Produktmanagement. Ein klassischer agiler Produktmanager bestimmt die Feature-Priorisierung anhand des geschäftlichen Nutzens jeder vorgeschlagenen Funktion – was bedeutet, dass kurzfristige Erfolge oft am höchsten priorisiert werden.

Da der Aufbau einer Plattform eine langfristige Investition in Skalierbarkeit und Effizienz darstellt, sollte ein Plattform-Produktmanager seine Arbeit nach der strategischen Vision ausrichten, anstatt regelmäßig schnelle Erfolge vorzuziehen.

Ist Plattform-Produktmanagement das Richtige für mich?

Wer bereits einige Jahre Erfahrung im Produktmanagement gesammelt hat, ist auf dem richtigen Weg zum Einstieg ins Plattform-Produktmanagement. Auch Backend-Entwickler und Solutions Architects können von ihren Erfahrungen profitieren.

Viele der für das klassische Produktmanagement erforderlichen Kompetenzen (wie Backlog-Management, Feature-Priorisierung und Stakeholder-Management) sind auch im Plattform-Produktmanagement wichtig – es gibt aber auch zahlreiche Unterschiede. Hier ein Überblick über die wichtigsten Unterschiede und einige Tipps, wie Sie sich weiterentwickeln können.

  • Eine Abkehr von der Kundenorientierung hin zum Denken in größeren Zusammenhängen: Wie oben erwähnt, ist das Plattform-Produktmanagement durch eine Abkehr von der regelmäßigen Interaktion mit Endnutzern gekennzeichnet und richtet den Fokus auf das "große Ganze". Das bedeutet häufig, Skalierbarkeit Vorrang vor schnellen Erfolgen und der strategischen Produktvision Vorrang vor kurzfristigen Kompromissen zu geben.
  • Stakeholder- und Abhängigkeitsmanagement: Da das Plattform-Produktmanagement eine stark kollaborative Rolle ist, sollten herausragende Plattform-Produktmanager die Bedürfnisse verschiedener interner Stakeholder besonders gut kennen, um effektiv bereichsübergreifend agieren zu können.
    Außerdem bedeutet das Management einer Produktplattform, dass viele Teams von Ihnen abhängig sind, um ihre Produkt-Roadmaps zu realisieren. Das führt dazu, dass Sie viele Abhängigkeiten zwischen unterschiedlichen, funktionsübergreifenden Teams koordinieren und verschiedene Stakeholdergruppen über die Fortschritte Ihres Teams auf dem Laufenden halten müssen.
  • Messung: Metriken erscheinen auf einer Produktplattform vielleicht weniger wichtig. Allerdings ist es umso wichtiger, die Auswirkungen Ihrer Initiativen zu quantifizieren, da die Produktplattform selbst weniger sichtbar ist.

Auch wenn Metriken weiterhin entscheidend sind, unterscheiden sich Ihre Methoden zur Erhebung und Auswertung möglicherweise von denen einer klassischen Produktmanagementrolle. Das Einrichten interner Feedbackschleifen und regelmäßige Usability-Tests sind wertvolle Werkzeuge, mit denen Sie die Wirkung messen können. Zudem können Sie auf interne Partner im Produkt-Ökosystem zurückgreifen, um zu ermitteln, wie sich Effizienz und Time-to-Market für die Teams, die Ihre Dienste nutzen, verbessert haben.

Schließlich kann es leicht passieren, dass bei der Verwaltung einer Produktplattform auf Produktdesign, Benutzerfreundlichkeit und das Kundenerlebnis vergessen wird, aber hervorragende Produkterlebnisse zu schaffen bleibt ebenso wichtig.

Wichtig ist vor allem, ebenso viel Empathie für die internen Teammitglieder aufzubringen, die die von Ihnen verantworteten Services nutzen, wie Sie es für externe Kunden tun würden – das wird der entscheidende Erfolgsfaktor in dieser neuen Rolle sein. Viel Erfolg!


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