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Egal, welche spezifische Rolle Sie im Produktteam einnehmen, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie schon einmal von Usability-Tests gehört haben. Das hat auch einen guten Grund – Usability-Tests sind möglicherweise eine der besten, günstigsten und genauesten Methoden, um Erkenntnisse über die Nutzererfahrung zu gewinnen, die letztlich dazu führen, dass Sie Ihre Ziele und KPIs erreichen. Als Leiterin der Nutzerforschung liebe ich Usability-Tests und egal, ob Sie damit neu anfangen oder einfach nur Ihre Kenntnisse auffrischen möchten, finden Sie in diesem praktischen Leitfaden alles, was Sie brauchen. 

Warum sind Usability-Tests wichtig?

Falls Ihr gesamtes Team noch nicht überzeugt ist, lohnt es sich, Zeit zu investieren, um den anderen den Nutzen von Usability-Tests im Produktentwicklungsprozess zu vermitteln. So sichern Sie sich Unterstützung, wenn Sie nutzerbasierte Produktiteration auf Grundlage Ihrer Usability-Erkenntnisse vorantreiben möchten. Hier sind einige der Hauptgründe, warum Usability-Tests ein unverzichtbares Werkzeug im Produktmanagement Ihres Alltags sind.

Sparen Sie Zeit bei internen Diskussionen

Sofern Ihre Organisation nicht die Ausnahme ist, haben wahrscheinlich alle – und deren Mutter – eine Meinung zur Nutzererfahrung eines bestimmten Features oder Workflows, an dem Sie arbeiten. Es stimmt vermutlich auch, dass die meisten zumindest eine informierte Meinung auf Basis von Branchenwissen oder Produkterkenntnissen haben.  

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Das Problem dabei ist, dass Sie ewig diskutieren, viel Zeit verschwenden und am Ende trotzdem nicht einig sein werden, wenn Sie eine Art Kompromiss veröffentlichen.  Mit Usability-Tests prüfen Sie Ihr Feature oder Ihren Ablauf mit tatsächlich relevanten Nutzern, damit Sie UX-Entscheidungen auf Basis der Realität treffen – und nicht auf den Annahmen Ihres Teams.

Usability-Tests bieten Erkenntnisse – unabhängig vom Entwicklungsstand Ihres Produkts

Wenn Sie sich vor einer Veröffentlichung befinden, sorgen Usability-Tests in der frühen Phase dafür, dass Ihr initiales Release auf der Realität Ihrer Nutzerbasis basiert. 

Produktdesigner wissen, wie wichtig es ist, Ihr Produkt im Designprozess an echten Nutzern zu testen. Tatsächlich hilft dies, Lücken zu erkennen, die erst im Test mit der Zielgruppe sichtbar werden.

Es kann definitiv von Vorteil sein, einen Usability-Test zu machen, bevor Sie überhaupt etwas mit einem Prototyp bauen, falls Sie viele größere Änderungen durchführen müssen oder vielleicht das Konzept komplett verfehlt wird – so sparen Sie am Ende viel Zeit und Geld.

Emilie Mazurek

Wenn Sie bereits veröffentlicht haben und auf quantitative Leistungsdaten warten, kann Usability-Testing helfen, schon währenddessen neue Ideen für Verbesserungen zu sammeln. Auch nach der Veröffentlichung erhalten Sie nutzergestützte Erkenntnisse, um Ihre nächsten Schritte und Priorisierungen festzulegen.

Usability-Tests bieten Ihnen genau dann die benötigten Erkenntnisse, wann immer Sie sie benötigen. 

Usability-Tests helfen Ihnen, Entscheidungsfehler aufgrund von Voreingenommenheit zu vermeiden.

Egal, ob jemand im Team sich nicht traut, der Leitung zu widersprechen, oder der Feature-Verantwortliche komplett überzeugt davon ist, genau zu wissen, was und wie etwas umzusetzen ist – jedes Produktteam läuft Gefahr, dass interne Dynamiken zu einer verzerrten Entscheidungsfindung führen. 

Durch gut durchgeführte Usability-Tests erhalten Sie Erkenntnisse und Richtungen, die sämtliche dieser möglichen Voreingenommenheiten umgehen, sodass das, was Sie den Nutzern ausliefern, ausschließlich auf deren Bedürfnisse und Erfahrungen basiert – und auf nichts sonst. 

Wer sollte in Ihrem Team für Usability-Tests verantwortlich sein?

Es gibt keine feste Regel dafür, wer Usability-Tests durchführen sollte. Dennoch gibt es einige Dinge, die Sie berücksichtigen können, wenn Sie Verantwortung und Durchführung von Usability-Tests festlegen:

  • Wenn Sie ein UX-Research-Team haben, ist dies höchstwahrscheinlich der beste Startpunkt. Die Forscher:innen in Ihrem Team kennen Best Practices und sind mit den relevanten Plattformen vertraut, um die Aufgabe schnell, aber auch mit dem richtigen Maß an Sorgfalt auszuführen.
  • Auch Designer:innen in Ihrem Team verfügen möglicherweise über die passenden Fähigkeiten. Erstaunlicherweise beinhaltet nicht jede Design-Ausbildung Forschungsmethoden wie Nutzertests – viele Designer:innen lernen dies jedoch in der Praxis. Falls Sie kein UXR-Team haben, sprechen Sie mit Ihren Designer:innen.
  • Andere Produktverantwortliche können es lernen. Wenn Sie diese Initiative leiten und beispielsweise Produktmanager:in sind – Usability-Testing erfordert zwar einiges an Wissen, aber wenn Sie diesen Leitfaden durchlesen und eventuell einen kurzen Kurs in Erwägung ziehen, können Sie diese Fähigkeit durchaus meistern. 
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Arten von Usability-Tests

Usability-Testing bedeutet grundsätzlich, eine Funktion oder einen Ablauf mit Mitgliedern Ihrer Zielgruppe und/oder aktuellen Nutzer:innen zu testen. Es gibt jedoch verschiedene Arten von Usability-Tests, die jeweils unterschiedliche Informationen liefern. Hier ist ein kurzer Überblick zu spezifischen Arten von Usability-Tests und wann sie sinnvoll sind:

Moderierte Usability-Tests

Moderierte Usability-Tests bedeuten, dass Sie oder eine andere moderierende Person Ihren Test in Echtzeit mit Nutzer:innen durchführen, entweder persönlich oder remote per Videokonferenz. Der Hauptvorteil dieser Methode ist, dass Sie während des Tests Fragen stellen und Dinge mit den Teilnehmer:innen klären können. Sie haben außerdem die Flexibilität, eher Interview-ähnliche Fragen zu Nutzerbedürfnissen, Verhaltensweisen und Motivation zu stellen.

Der Nachteil von moderierten Usability-Tests besteht darin, dass sie sehr zeitaufwändig sein können: Sie müssen bei jeder Sitzung entweder persönlich oder virtuell anwesend sein, Termine mit den Nutzer:innen koordinieren und alle organisatorischen Aufgaben übernehmen. 

Ich empfehle diese Form von Face-to-Face- oder Remote-Usability-Tests in der Regel nur dann, wenn die Funktion oder der Flow von großer Bedeutung ist – es sich also nicht um eine kleinere Iteration handelt – und solange grundlegende Fragestellungen wie der Mehrwert für die Nutzer:innen noch offen sind.

Unmoderierte Usability-Tests

Bei unmoderierten Usability-Tests schicken Sie passende Teilnehmer:innen, meist über eine Plattform wie meinen Favoriten UserTesting.com, in einen von Ihnen vorausgeplanten Test. Es gibt zahlreiche Tools für Usability-Tests, und eine schnelle Google-Suche liefert viele tolle Optionen. Das ist immer eine Form von Remote-Testing.  Sie erhalten die aufgezeichneten Sessions statt live dabei zu sein, und können sich die Aufzeichnungen anschauen und in Ihrem eigenen Zeitrahmen analysieren.

Der größte Vorteil unmoderierter Tests ist die Geschwindigkeit: Sie verfassen den Screener zur Teilnehmer-Auswahl auf Ihrer Plattform, schreiben den Test und die zugehörigen Fragebögen und warten, bis die Aufzeichnungen eintreffen.  Sie können sie analysieren, wann Sie möchten – ideal, wenn Sie unter Zeitdruck stehen, da Sie die Ergebnisse sehr schnell intern teilen können.

Der Nachteil dieser Methode ist, dass Sie keine Rückfragen stellen können, während die Teilnehmer:innen den Test durchführen – dies kann einschränkend wirken, besonders wenn sie etwas Unerwartetes machen oder äußern. 

Einfache Usability-Tests

Ob Sie sich für eine moderierte oder unmoderierte Testmethode entscheiden: Die meisten Produktteams nutzen irgendwann die einfachste und klarste Testform, bei der Nutzer:innen eine Serie von Aufgaben erhalten, um sie durch einen Flow oder die Nutzung einer Funktion zu führen.  Während sie diese Aufgaben Schritt für Schritt erledigen, machen sie oft auch auf UX- oder sogar Funktionsprobleme an jeder Station des Ablaufs aufmerksam.

Bei dieser Testmethode profitieren Sie davon, echte Usability-Probleme von realen Nutzer:innen zu entdecken, während sie Schritt für Schritt durch den Prozess gehen. 

Five-Second-Testing

Five-Second-Testing ist eine Methode, bei der Sie Nutzer:innen eine Landingpage oder Startseite für fünf Sekunden zeigen und sie anschließend nach ihren Eindrücken und Wahrnehmungen fragen.  

Diese Methode eignet sich besonders, wenn Ihr Team erste Eindrücke sammeln möchte, die möglichst nah an der Erfahrung neuer Nutzer:innen liegen. Sie untersucht nicht die Einstellung zur Funktionalität oder die Nutzererfahrung bei detaillierter Nutzung von Features und Abläufen.

Wenn Ihr Team auf genau diese Art von Erkenntnissen abzielt, ist der Hauptvorteil, dass solche Test-Sessions schnell und ortsunabhängig durchführbar sind.  Darüber hinaus kann die moderierende Person grundsätzlich jede:r im Team sein, solange sie gut zuhören kann und die grundlegenden Prinzipien für gute Fragestellungen kennt. 

Card Sorting

Card Sorting ist, obwohl sehr spezifisch, eine äußerst wirkungsvolle Methode, wenn sie mit Ihren Forschungszielen übereinstimmt. Bei Card-Sorting-Tests erhalten Nutzer Karten mit Begriffen und werden gebeten, diese zu gruppieren und/oder in eine Reihenfolge zu bringen, die für sie am meisten Sinn ergibt. Eine praktische Anwendung hierfür ist beispielsweise die Entscheidung, wie Funktionen in einer Symbolleiste gruppiert werden sollen. Indem Sie Nutzer mit Funktionsbezeichnungen auf Karten ausstatten und sie bitten, diese intuitiv zu gruppieren, erhalten Sie ein Gefühl dafür, wie und warum Nutzer bestimmte Werkzeuge an bestimmten Stellen erwarten würden.

Obwohl dies auch unmoderiert durchgeführt werden kann, empfehle ich in der Regel, dass diese Tests von einem Moderator begleitet werden. Der Grund: Wie Nutzer Ihre Karten gruppieren, ist bereits aufschlussreich, doch die Möglichkeit, im direkten Austausch beliebig viele Fragen dazu zu stellen, warum Nutzer gewisse Gruppierungen oder Reihenfolgen wählen, liefert deutlich tiefere Einblicke.

Card Sorting berührt die User Experience nicht direkt, daher sollten Sie sicherstellen, dass Informationsarchitektur Ihr Ziel ist, bevor Sie diese Methode wählen.

First-Click-Testing

First-Click-Testing ist sowohl eine Technik als auch ein eigenständiger Test. Hierbei werden Nutzer vom Moderator oder durch Anweisungen aufgefordert, eine Aufgabe zu erledigen. Festgehalten bzw. beobachtet wird die erste Stelle, auf die der Nutzer klickt, um die vorgegebene Aufgabe zu lösen. So überprüfen Sie, ob Ihre Benutzeroberfläche für eine bestimmte Aufgabe intuitiv aufgebaut ist.

Oft ist bei Usability-Tests mit mehreren Aufgaben der erste Klick eine wichtige Kennzahl. Selbst wenn Ihre Forschungsziele über die Frage hinausgehen, wohin Nutzer als Erstes gehen würden, um eine Aufgabe abzuschließen, bleibt das First-Click-Testing eine wertvolle Ergänzung und Kennzahl, die Sie auch in umfangreicheren Usability-Tests beobachten sollten.

Navigationstest

Navigationstests, ähnlich wie First-Click-Tests, können als eigenständiger Test oder als Teil komplexerer Usability-Tests durchgeführt werden. Nutzer erhalten eine Aufgabe oder ein Ziel und sollen diese innerhalb Ihres Produkts abschließen. Sie beobachten dabei, wie Nutzer navigieren, um verschiedene Aufgaben auszuführen, und lernen so, ob die Informationsarchitektur in Ihrem Produkt für Nutzer mit bestimmten Zielen oder Absichten intuitiv ist.

Wenn Sie sich ausschließlich für die Informationsarchitektur und deren Nutzerfreundlichkeit interessieren, können Sie durchaus einen Navigationstest isoliert konzipieren und daraus großen Nutzen ziehen.

Präferenztest

Einfach gesagt präsentiert der Präferenztest den Nutzern verschiedene Varianten ein und derselben Sache – beispielsweise verschiedene Designs oder sogar Funktionen – und bittet sie, ihre Präferenz zu benennen und zu begründen.

Diese Art von Test ist nützlich, allerdings oft anders, als man zunächst annimmt. Präferenzen sind oft ein unsicheres Maß: Menschen sind vielleicht gerade in dem Moment von einem Design oder Feature beeindruckt, aber niemand kann sein zukünftiges Verhalten sicher vorhersagen. Anders gesagt: Was Menschen jetzt bevorzugen, ist möglicherweise später irrelevant oder spielt außerhalb des Testumfelds keine Rolle mehr.

Wozu also trotzdem testen? Der Trick beim Präferenztest ist, am meisten auf die Gründe hinter den Nutzerpräferenzen zu achten. Sie sollten sich also nie ausschließlich danach richten, welches der getesteten Konzepte am häufigsten gewählt wurde, sondern vielmehr herausfinden, wie Nutzer ihre Anforderungen und Herausforderungen im Zusammenhang mit den zu erledigenden Aufgaben beschreiben. Diese tiefergehenden Einblicke können Sie anschließend für fundierte Produktentscheidungen nutzen.

Präferenztests lassen sich problemlos sowohl vor Ort als auch remote durchführen; die Remote-Variante spart meist Zeit und Aufwand.

Tree Testing

Tree-Testing ist eine Methode, mit der sich die Auffindbarkeit bestimmter Themen oder Funktionen auf Ihrer Website oder in Ihrem Produkt testen lässt. Im Unterschied zum Navigationstest erhalten die Testpersonen keine komplexere Aufgabe, sondern sehen nur die Navigationselemente (z. B. Website-Header oder App-Symbolleiste) und sollen gezielt bestimmte Themen oder Kategorien finden.

Tree Testing, häufig auch als umgekehrtes Card Sorting bezeichnet, lässt sich sowohl remote als auch im persönlichen Kontakt durchführen. In jedem Fall liefern Ihre Nachfragen – etwa warum Nutzer ein Thema unter einer bestimmten Kategorie auf Ihrer Website gesucht haben – aufschlussreiche Einblicke darüber, wie Informationen organisiert sind und ob das Ganze aus Nutzersicht verständlich ist.

Wie sieht es mit einem Usability-Labor aus?

Auch wenn Sie nun sicherlich überzeugt sind, dass Usability-Tests nicht unbedingt etwas aufwendig Technisches benötigen, eröffnet sich Ihnen eine ganze Reihe spannender Möglichkeiten, wenn Sie Zugriff auf ein Usability-Labor haben – Eye-Tracking, Testing mit physischen Produkten usw.

Aber auch ohne Labor: Schauen Sie sich das einfach mal an – einfach zum Spaß.

Usability-Testing: Tipps und Best Practices

Planung und Verfassen Ihres Tests

Ganz gleich, welche Methode Sie wählen, die Art und Weise, wie Sie Ihren Test verfassen, hat einen großen Einfluss auf die Qualität der Erkenntnisse, die Sie durch Usability-Tests gewinnen.  Hier sind einige Dinge, die Sie beim Start beachten sollten.

  • Formulieren Sie Ihre Forschungsziele: Was genau möchten Sie mit Ihrem Usability-Test herausfinden? Wenn Sie dies als Leitprinzip am Anfang Ihres Dokuments anführen, während Sie Ihren Test schreiben, stellt das sicher, dass Sie die richtigen und zu Ihren Zielen passenden Fragen stellen.
  • Sprechen Sie die Sprache Ihrer Nutzer: Die meisten von uns—ich schließe mich da nicht aus!—benutzen im Arbeitsalltag viele produktspezifische Begriffe. Achten Sie darauf, bei der Formulierung von Anweisungen oder Aufgaben die Begriffe zu verwenden, die auch Ihre Nutzer benutzen, damit sie genau wissen, was zu tun ist.
  • Stellen Sie sicher, dass jede Usability-Aufgabe nur eine Aktion beinhaltet: Oft sind wir versucht, Testteilnehmer zu bitten, mehrere Schritte in einer Aufgabe zu unternehmen. Das Problem dabei ist, dass dies zur Informationsüberflutung führen kann und Tester oft Schritte oder Feinheiten übersehen. Am Ende machen solche Tests Ergebnisse unsicher oder in manchen Fällen sogar nutzlos.
  • Lassen Sie eine Kollegin oder einen Kollegen Ihren Test durchsehen, bevor er Nutzern vorgestellt wird: Meine Teammitglieder finden oft Dinge in meinen Usability-Tests, die ich für eindeutig hielt, es aber leider nicht waren. Eine zweite Meinung trägt zur Klarheit Ihres Tests bei.

Teilnehmende rekrutieren

Wie und wen Sie für Ihre Usability-Tests rekrutieren, ist ein entscheidender Faktor für die Verlässlichkeit Ihrer Erkenntnisse. Schließlich: Wenn ich eine Foto-Bearbeitungs-App für Gen Z entwickle – wie relevant sind dann die Usability-Probleme meiner Mutter?

Sie können den Nielsen Norman Guide zur Auswahl der benötigten Teilnehmerzahl für Ihren Usability-Test heranziehen. Sobald Sie die gewünschte Stichprobengröße festgelegt haben, helfen Ihnen die folgenden Tipps weiter:

  • Auf Testplattformen schummeln Nutzer manchmal, um teilnahmeberechtigt zu sein – gehen Sie dagegen vor: Sie können leider nicht davon ausgehen, dass alle, die Ihren Screener ausfüllen, ehrlich antworten, besonders wenn es um Geld geht. Menschen versuchen oft herauszufinden, was Sie hören möchten, und antworten entsprechend. Es gibt eine Reihe von Strategien, um unehrliche Personen in Screener-Umfragen herauszufiltern, über die Sie hier mehr erfahren.
  • Erwägen Sie mehr als eine Nutzergruppe:  Oft liefern unterschiedliche Gruppen von Nutzenden verschiedene, aber durchweg nützliche Erkenntnisse. Ich teste zum Beispiel regelmäßig mit Nutzenden, die unsere Produkte bereits nutzen, und auch mit solchen, die sie noch nie ausprobiert haben. Dadurch erhalte ich Erkenntnisse darüber, wie sowohl bestehende als auch neue Nutzerinnen und Nutzer unsere Lösungen erleben. 
  • Erinnern Sie Nutzer immer an bevorstehende Sessions: Wenn Sie moderierte Usability-Tests durchführen, egal ob persönlich oder remote, erinnern Sie die Teilnehmenden unbedingt an die bevorstehenden Sitzungen und bitten Sie um eine Teilnahmebestätigung. Verpasste Sitzungen bedeuten für Sie verlorene Zeit.

Test-Sessions auswerten

Es gibt das weitverbreitete Missverständnis, dass man einfach Testsessions anschauen oder die Notizen aus Live-Sessions durchgehen und sich ein Bild von den Ergebnissen machen kann. Leider ist es doch etwas komplexer. Nur ein Gefühl zu bekommen birgt das Risiko von Biases in der Nutzerforschung.   

Folgen Sie diesen Best Practices, um sicherzustellen, dass Sie Ihre Usability-Test-Ergebnisse korrekt interpretieren:

  • Verwenden Sie eine einfache, aber sorgfältige Auswertungsmethode: Zum Beispiel ist Affinity Diagramming eine einfache, aber nützliche Methode, um aus qualitativen Daten Themen herauszufiltern. 
  • Analysieren Sie ALLE Ihre Sitzungen: Es ist oft sehr verlockend, nur einige Sitzungen zu analysieren und dann aufzuhören – vor allem, wenn sich bereits Muster abzeichnen. Doch auch wenn Nutzerinnen und Nutzer ähnliche Erfahrungen machen, liefern die Details und Nuancen ihrer Sitzungen oft sehr wertvolle Erkenntnisse. Jede erfahrene Testperson weiß außerdem: Manchmal bringen die ersten fünf Sessions ein Ergebnis – die letzten fünf jedoch völlig andere neue Einsichten!

Viel Erfolg beim Testen!

Es steht außer Frage, dass jedes Produktteam von einer Art Usability-Testing profitieren kann, das tiefe Einblicke in das Nutzerverhalten ermöglicht und direktes Feedback liefert. Im Bereich Usability-Tests gibt es Forschungsmethoden für jedes Ziel, mit denen Sie Usability-Probleme identifizieren und Ihre Nutzer besser unterstützen können.

Nachdem Sie sich mit diesem Leitfaden weitergebildet haben, teilen Sie ihn mit Teammitgliedern und motivieren Sie sie, ebenfalls Usability-Tests zum Vorteil der gesamten Organisation durchzuführen! Wenn Sie sich trotzdem noch überfordert fühlen, können Sie sich einige Vorlagen für Usability-Tests oder Tutorials zur Inspiration anschauen.

Und falls Sie irgendeine Art von Usability-Testing-Methoden einsetzen, melden Sie sich unbedingt beim Newsletter des CPO Club an!